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(Und alles nur wegen...)

5mm Ehre

- Die große Fehde -

Eine Albireotische Aventiure aus dem Finsteren(!) Mittelalter,
in welcher Ihr, fürwahr, hören werdet von

...treulich chronifiziert von Don Juan de Herschel und SaFleißBiene zu Ehrenburg.
Sodann dramatisiert und inszeniert vom Spechtus de Rohrus. Wie er selbst unten sagt: Es ist alles Lug, Trug und Humbug!
 


Dramatis Personæ

(in der Reihenfolge ihres Auftretens)

Ritter. Knappen. Sekundanten. Nicht angetretene Sekundanten. Pagen. Kammerzofen. Volk. Marktleute. Gesindel. Wer- und Wehrschafe. Wikinger. Mehr Wikinger. Noch mehr Wikinger. Schotten. Nein, doch keine Schotten. Schotten dicht. Schotten undicht. Gestrandete Schiffe. Absichtlich an Land gezogene Schiffe. Ein Heer von Teleskopen.
 

[Und wer errät, woher die Bühnenbilder und Dramaturgie inspiriert sind, bekommt eines meiner vielen Weißbiere. Mit der "Filmmusik" hat es jedenfalls wenig zu tun... (RSp, d.Hrsg.)]


Inhalt

Erster Aufzug,

in welchem zweye gar große und stolze Augen machen, welches die unglaublichsten Verwicklungen nach sich führet.

Zweyter Aufzug,

in welchem es gar grauslig blitzen und dunnern tut, und die gar böse Hexerey ihren Anfang nimmt.

Dritter Aufzug,

in welchem noch mehr Vorspiegeley gezaubert, und manch trutzige Burg dargestellet ward.

Vierter Aufzug,

in welchem sich gar viel Edle zum Streyte rüsten, und einige denselben vor etwelchen sogenannten Camerata disputandibus austragen.

Fünfter Aufzug,

in welchem - Weh! - der Scheiterhaufen lichterloh lodert.

(Pause schon nach dem zweiten Aufzug. Weil, das Erfrischungsthekenpersonal will sich schließlich nicht die Beine in den Bauch stehen.)
 


Erster Aufzug

Erste Szene.

Ort und Zeit: Nentershausen und Ehrenburga, im Februar 2002.

Die Bühne ist geteilt. Zur Rechten sehen wir den Saal der Veste Nentershausen, zur Linken die Ehrenburger Kemenate. Im Hintergrunde ein riesiges Wandgemälde, welches Karoline Herschel vorstellt.
Stephan der Grünkühne lehnt am Nentershauser Fenstersims und schiebt eine winzige, an den ostsächsischen Grenzwächter Tommes adressierte Pergamentrolle in die Kapsel, die seine Brieftaube, im Sommer eine Stunde schneller als jede andere ihrer Art, am linken Fuße trägt.
Hinter der Bühne hört man Jola sich in der Küche zu schaffen machen.
Zur Linken widmet sich SaBiene der Morgentoilette ihrer Teleskope.

Stephan: (liest)

> "hmm... der 135mm Vixen newton... mir ist auch aufgefallen, dass den
> überdurchschnittlich viele frauen haben... ich habe auch einen... sollte ich
> mir da schon irgendwelche gedanken machen?!?!?"

"Nö, überhaupt nicht! Ich hab den Vorgänger, den 130 mm Newton von Vixen. Solln wir jetzt nochmal zusammenzählen, wieviel Männer und Frauen einen haben?"

SaBiene:

Die arbeitende Front:
Vixen 135S 720

Das sind 3:2 für die Frauen. Mit einem kleinen chirurgischen Eingriff und Hormongaben machen wir ruck zuck 5:0. ;-)

Stephan:

Vixen 135S 720

(zugegeben, ein R130s/720, aber nur weil's damals das R135s/720 noch gar nicht gab. Also!)

Das sind 3:3 (!) für die Frauen. ;-))) Also, eine schwerpunktmäßige Gewichtung kann ich da beim besten Willen auch feststellen: eine Allround-Röhre für Albireo's!!!

SaBiene:

Der 130er zählt nicht.

(zu Jola, hinter die Bühne rufend)

> "das sind 3:3 (!) für die Frauen. ;-)))"

Respekt! Du hast ihn gut im Griff. ;->>

Stephan:

Un' er zählt doch. So! Und was heißt hier im Griff? haste die Ironie meiner Bemerkung irgendwie falsch verstanden??? ;-)

Zweite Szene.

Auftritt Karoline Herschel - das Wandgemälde erwacht und wendet sich ans Publikum.

Karoline:

Liebe Sabine! Liebe Vixen 135/720 Eigentümer! Werte Albireos!

Es ist ja normal, dass man im Alter ein wenig schrumpft, und die Jüngste bin ich ja nun nicht mehr! Als mein Pate Jürgen mich von Sterntalerchen entbunden hat, wurde ich auch gleich nochmal vermessen, und dabei stellte sich heraus, dass ich leider keine 135 mm sondern nur noch 128 mm messe. Ich hab's dem Bedienpersonal hier immer gesagt, dass man Spiegel in den Schonwaschgang und nicht auf 90° waschen soll! Aber sie hört ja nicht auf mich, denn sonst käm ich bestimmt auf 130 mm!

SaBiene: (zu Stephan)

Nein er zählt nicht weil er halt nur ein 130er und kein 135er ist. OberSo! Das ist keine Ironie. Das ist eine Tatsache. ;->>

(zu Karoline)

George ist plötzlich errötet, als er Dein Geständnis hörte, und hat sich sofort im Badezimmer eingeschlossen. "Keine 135", höre ich ihn stöhnen. Was mag er wohl haben?
Viel Spaß auf der Alm und verbrenn Dir nicht deinen Spiegel. Immer schön eincremen.

Stephan: (zunächst mehr vor sich hin, dann zu SaBiene)

Doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch!!!!!!!!

Nur weil du eine 5 mm größere Klappe hast, meinste hättste ooch mehr zu biete??? Mer könne ja gerne mo vergleiche! Ding 135er Goliath gejen minnen getunten 130er David. Na, wie isses, trauste dich?!?

SaBiene:

Däne getunteten David fresse ich zum Frühstück, ham! Komm her!

Ich fordere dich zum Düll. Die Waffen sind Teebeutel.

Tata, Tata, Tata!
Rakete!
Helau!

(Karoline ab durch die Mitte)

Dritte Szene.

(Die vorigen, ohne Karoline.)

Stephan:

> "...fresse ich zum Frühstück, ham!"

Sprach Goliath, bevor er eins auf die Nase bekam!!! :-)))))

Sehr schön. Haste ming Orionsche also doch noch als gleichwertigen Gegner erkannt!!!
Aber da du mich forderst, bestimme ich Zeit und Ort: 21. April in Nentershausen.
Mein Sekundant wird der ehrenwerte Sir Patrick de Wolfskin sein. Bitte teile ihm schnellstens deinen Sekundanten mit.

(holt eine weitere winzige Pergamentrolle und beginnt zu schreiben)

"Sir Patrick, mein lieber Viscount Wolfskin, Ritter der IGA zu Diez und des Albireo-Ordens, mein ehrenwerter Freund!
 
In einer Angelegenheit peinlicher Art bin ich gezwungen mich an Dich zu wenden. Ein Ehrenhändel steht bevor!
Meine mich fordernde Gegnerin ist Lady SaBiene aus des Hunsrücks tiefen Wäldern.
Da auch sie gehört zum Albireo-Orden, ist größtes Stillschweigen geboten. Nicht dass König Tom und die Minister von unsrem Händel je erfahrn!
Obgleich sie selbst's ist, die mich entehrt, spricht meinem Ross das Vollblut ab und red' gar von "getuntet", sie einen Vergleich herbei ersehnt.
Ich stell' mich, das ist klar, das Treffen ist am WTA.
Sei Du, Sir Patrick, so meine Bitte, mein Sekundant bei diesem Treffen. Die Wahl der Waffen überlass ich Dir, bin dem Weib ja doch überlegen. Doch wär's schön, du würdst drauf drängen, auf die Koordinaten-M-Objekte-Jagd. Doch auch andre Disziplin' sind recht: Planetenschau und Sonnenflecken.
Nimm' die Sach' gleich in die Hand, lass Dir ihren Sekundant benennen.
 
Stephan von Nentershausen"

(Vorhang.)
 

(Dram.Pers.|Inh.|1.Aufz.|2.Aufz.|3.Aufz.|4.Aufz.|5.Aufz.)

Zweyter Aufzug

Vierte Szene.

Ort und Zeit: Nentershausen und Ehrenburga, am nächsten Tage.

Die Bühne bleibt geteilt. Rechts der Hof der Veste Nentershausen; Ritter und Knappen, Marktleute. Links in der Ferne sieht man über die Nentershauser Zinnen hinweg die Ehrenburga.
Mit wehendem Mantel schreitet Meister Berthold von Sunnaberga durchs Nentershauser Burgtor herein. SaBiene beobachtet ihn mit einem Fernrohr. Stephan erscheint auf dem Balkone.

Berthold: (verschafft sich mit großer Geste Gehör)

Hört, Hört!
Da will sich unser tapfrer Recke Stephan von Nentershausen schlagen!
Hei, das wird ein Spaß werden! Schlagt die Trummeln! Stoßet ins Horn, als dass alle kummen sollen zur Bekränzung des Siegers aus diesem Händel!

SaBiene: (von hinten)

Wohlan grünkühner Recke Stephan von Nentershausen!
So soll es sein, doch werd ich bestimmen der Waffen Art.
Auch bin ich des Grames voll zu hören, dass ich Maid SaBiene zur Ehrenburg für euch als Peinlichkeit gelte. Gebt Obacht auf dass Ihr nicht auf einer stinkend Kuhhaut aus dem Saale getragen werdet wie auf der Reichsburg zu Cochem üblich.

(singt)

Wer will es wagen
ob Rittersmann oder Knapp
zu steigen mit mir in die Schei... hinab?

[Diese berühmte Stelle aus dem großen Monolog der SaBiene wird im Jahr 2020 noch häufiger aus dem Zusammenhang gerissen zitiert als eine gewisse Zeile aus einem Jugendwerke J.W.v.Goethes. (Anm.d.Hrsg.)]

(zu sich)

Dem kühnen Schinderhannes wurd' seinerzeit im fernen Simmern von den Franzmännern der holde Kopf von den Schultern getrennt.
Junker Winnifried der Melder hat sein edles Ross noch nicht gezähmet und beschlagen.
So fällt denn meine Wahl auf Klarinetto von der Vogelweide, der fürwohl dem Minnedienste fröhnet, doch ein gewaltig Schlachtross sein Eigen nennt. Dann wird es Euch ergehen wie diesem hier, der mich arglos unterschätzet.
So gehe ich dann hin, zu schärfen mein Schwert und zu spitzen meines Bogens Pfeile.

(Russisches Roulette ist eine blöde Idee, weil das Schießpulver noch nicht erfunden ist. ;->)

(schreibt auf einen an einen Pfeil gehefteten Lederlappen)

"Werter Klarinetto von der Vogelweide.
 
Meine Tauben haben mir letzte Nacht die Nachricht gebracht, dass Ihr vermutlich noch auf dem Rückweg von Eurem beschwerlichen Kreuzzug aus dem Musellande seid. Dennoch brauch ich Euren Beistand bei einem Unterfangen, welches ich mir unklugerweise eingehandelt. Es ist wahrlich nicht beschwerlich für Euch, doch die Zeit drängt. Der grünekühne Recke Stephan zu Nentershausen drohet mir mit einer Fehde. Sein betagter Gaul solle besser sein als mein junges Ross vom gleichen Blute. Lächerlich! Sein Sekundant Viscount Wolfskin, Ritter der IGA zu Diez und des Albireo-Ordens, weilt zur Zeit nicht auf seiner Burg. Wohl sehe ich in meiner kristallenen Kugel, dass sich Euer und Wolfskins Weg in Bälde kreuzen werden. So seid gebeten und hetzt Euren blutrünstigen Schäferhund auf sein Ross, auf dass es ihn abwerfe.
 
Ihr werdet reich belohnt werden.
 
Lady Sabine zur Ehrenburg

;->>>"

(spannt ihren Bogen und entsendet das Geschoss mit einem mächtigen Schusse.)

Fünfte Szene.

(Die Vorigen. Fanfarenstöße. Pagen tragen in einer Sänfte den vormaligen Pfalzgrafen, jetzigen - noch nicht allseits anerkannten - König Tom de SIRE herein. Da Tom noch nicht allseits anerkannt ist, hat er noch keinen Herold! Da er noch keinen Herold hat, wird er im Volk noch nicht allgemein für voll genommen. Er entsteigt der Sänfte, winkt einem Pagen, der einen schmetternden Tusch bläst, und spricht mit erhabener Herabgelassenheit.)

Tom:

Dem grünkühnen Recken Stephan zu Nentershausen und der Herrin zu Ehrenburg sei folgender Schiedsspruch aus den Hallen vom Schlosse zu Gerolstein angetragen:

»Die Panzerkröte sprach zur Schnecke:
"Pfui, schäme dich!
Du kommst ja garnicht recht vom Flecke.
Da, sieh mal mich!"«

(Das ist von Wilhelm Busch.)
Samtblaue, gold-durchwirkte Grüße!

SaBiene: (tut, als sähe sie Tom nicht)

Ehrenwerter Stephan zu Nentershausen!
Mir deucht König Tom höchstselbst hat etwas läuten hörn.
Sodann müssen wir diskreter sein.
Derweil. Wo bleibt Sir Patricks edle Anfrage.
Es wird ihm doch nichts übles widerfahrn sein.
;->>

(schreibt einen weiteren Brief. Dieser wird fürwahr auf einem Zauberpfeile reisen müssen.)

"Doña Birgitta del Hispania, geliebte Schwester im Geiste,
Von meinem Krankenbett erbitte ich Euren Beistand in einer delikaten Angelegenheit.
Ich SaBiene zur Ehrenburg (die Burg gibt es wirklich) wurde am Sonnabend zu Diez in einen Hinterhalt gelockt und mit der Schwindsucht verflucht.
(Ich hoffe ich habe keinen angesteckt, hustundblutspuck.)
Listig wurd ich eingelullt, und als ich die Tat bemerkte, war es schon zu spät. Wie mir zugetragen wurde, plant Ihr eine Fahrt zu Eurem Sommersitz auf der Alm. Seid gebeten und nehmt einen kleinen Umweg in Kauf, um mit Eurem maurischen Sarazenen-Heer die Mosel und den Rhein zu überschreiten, um mir zur Hilfe eilen zu können, auf dass wir mit vereinten Kräften die Burg vom grünkühnen Recken Stephan zu Nentershausen belagern mögen.
Sie sollte nicht länger als 1 Monat standhalten können.
;o>
Ich geh jetzt wieder brechen, es geht zu ende ;o>"

(Unter Blitz und Theaterdonner geht der Brief auf seine weite Reise, sofort gefolgt von einem zweiten.)

"LOL&HUST
Doña Brigida aus Hispanien!
Mein Knappe Kai reicht mir soeben einen Kräutertrunk.
Für jugendliche Erwachsene, wie er meint, sollen 2 bis 3 Schlucke für meine Genesung gereichen, auf dass ich ihn nicht weiter bei seinen Studien stören möge.
Gewiss war der Trunk vergiftet. Undankbares Männergeschmeiß.
Wie ich hörte liegt Edelfräulein Ulrike samt ihres Hofstaates ebenfalls darnieder, und auch Frau Jola hat's erwischt. Mich deucht ich werd den Klerus zum Beistand anrufen."

(Blitz und Donner)

"Ehrenwerter Bernd, o Inquisitor des heiligen römischen Reiches deutscher Nationen!
Ich Lady SaBiene zur Ehrenburg bezichtige den Recken Stephan zu Nentershausen der Gotteslästerung. So tat er öffentlich kund, dass die Erde eine Kugel sei und gar sich um sich selbst drehe. Mehr noch, die Erde drehe sich um die Sonne und die Sonne sei nur ein weiterer Stern am Firmament, mit Flecken.
Flecken! Blasphemie! Dabei ist landauf und landab bekannt, dass die Erde eine Scheibe und die Sonne von Gottvater selbst an den Himmel gehängt wurde.
Weiter sind Sterne nur die Löcher im samtenen Tuche des Himmels welche die Göttlichkeit unseres Herrn hindurch scheinen lässt. Für ein solch erbärmliches Vergehen wurde im fernen Rom erst kürzlich ein gewisser Galileo bestraft. Mich deucht 3 Monate Kerkerhaft sollte genügen, ihn wieder in den Schoß der Kirche zu treiben. Ihr könnt getrost von einer härteren Strafe wie Vierteilung oder Scheiterhaufen absehen.
Solltet ihr mir nicht vertrauen kann ich euch eine Handvoll Zeugen benennen.

;o>"

(schwacher Blitz und leichtes Donnergrollen. Langsam erhellt sich die Bühne wieder.)

Sechste Szene.

(Die Vorigen. Stephan erscheint erneut auf dem Balkone und schaut vorsichtig in Richtung Ehrenburga, dann in die Menge, wo er Sir Patrick nicht findet. Er greift zum Griffel und Pergamente.)

Stephan: (liest)

"Wann, ehrenwerter Viscount Wolfskin, beliebt es Ihnen, meiner Gegnerin SaBiene zu Ehrenburg, der schändlichen Verläumderin und Hex, einen Sekundanten abzuzwingen? und ihr vorzüglichst klar zu machen, sie solle nicht bis zum Duell gar neu Öl ins Feuer gießen? Auch nicht verstanden hat sie, daß ist nur ein Sekundant von Nöten. Scheint zu glauben, das dumme Weib, für ne Schlacht sie soll sich wappnen, und Kriegsvolk sammelt sie um sich. Dabei ist's alleine sie, die mir muss standhalten!"

Tom:

Wenn's uns recht zu Ohre drang, so ward dem Lustigen Recken zu Nentershausen der Streit erklärt von der holden Herrin zu Ehrenburg.
Man nennet als Grund die kühne Verlautbarung des Lustigen Recken über die Größe des Auges von jenem Telescopium, welches man Äffje rufet.
Genehmigen werden wir dies Spektakel nur, wenn ehrenvoll gekämpfet wird, und wenn die Waffen spitz sind. Unsere königlichen Ritter stellen in ihrer Großzügigkeit ihren Turnierplatz zur Verfügung, so dass ein jeder dem Spektakel beiwohnen möge.
In diesem Sinne:
"Mord rufet! Und des Krieges Hunde entfesselt!"
{8^D

Berthold:

Eure Hoheit, Sire, Herr Thomas von Gerolstein!
Nennet den Tag und die Stund', an dem sich die Klingen der Herrin von Ehrenburg mit Denen des grünkühnen Recken zu Nentershausen kreuzen, und nennet den Ort, an dem dies Hauen und Stechen gegeben wird.
Bedenket den weiten und beschwerlichen Weg, den viele des Ordens nicht scheuen werden.
Wenn die Klinge der Herrin von Ehrenburg so scharf ist wie ihre Zunge, sollte der grünkühne Recke sich besser unter dem Rocke seines Weibes verstecken!
Auch war ich Ohrenzeuge der frevelhaften und gar lästerlichen Rede des grünkühnen Recken, der Gottes festgefügte Erd in wirbelndem Tanz um die Sonn' und der Erden Scheib' als Kugel sich drehend pries.
Welch Narrheit! Ist's doch dem kleinen Kinde verständig, dass mit einem Umschwunge alle Menschen von dieser Kugel fielen und alle Meere leer wären.
Auch verwirrt er die Sinne des leichtgläubigen Pöbels nicht nur durch solcherart Reden, sondern lässt das gemeine Volk schauen in ein Röhrlein, das durch Zauberey Fernes herbeirückt - Teufelswerk, sag ich!
So sprech' ich, Berthold von Sunnaberga!

(zunehmende Unruhe im Volk während dieser Worte. Toms Pagen haben die Hand am Degengriffe und müssen die Menge zurückdrängen.)

Tom:

Werter Herr von Sunnaberga!
Der Tag des Händels möge sein der 25. Mai.
Dies ist der Tag des ATT. Am selben Abend bin ich gewillt, die Einweihung des königlichen Observatoriums zu Gerolstein vorzunehmen, welches gerade im Parke vom Schlosse zu Gerolstein errichtet wird.
Dazu werden, wie ich mir erhoffe, auch andere ALBiREOs zugegen sein. Es wird reichlich Met und Hopfentrank gereicht werden.
Noch schauen wird man, ob der kühne Recke zu Nentershausen hernach dem Großinquisitor vorgeführt wird ob seiner blasphemischen Reden über eine runde Erde und dergleichen.

(wirft mit ausladender Geste den blaugoldenen Lilienmantel um sich, und im selben Schwunge seines Armes einige Louis d'Or unters Volk, das sofort das Interesse an Berthold verliert)

Es grüßt das orangeblaue Volk
der König vom Throne zu Gerolstein!

(Ab auf der Sänfte.)
(Vorhang.)
 

(Dram.Pers.|Inh.|1.Aufz.|2.Aufz.|3.Aufz.|4.Aufz.|5.Aufz.)

- Pause -

Das Kulturjournal des Senders ALBiREO lädt sie unterdessen zu einem Rundgang durch das moderne Nentershausen ein: Zauber-Röhrlein, Flecken auf der Sunn', Edelfräulein SaFlotteBiene, Fee Jola, der grünkühne Recke und Tom I. allerhöchstselbst sowie viele, die erst in den folgenden Aufzügen auftreten werden, begleiten Sie in Wort und Bild durch die folgende halbe Stunde (in der ja, wie der aufmerksame Zuschauer bereits weiß, eigentlich das Duell hätte statthaben sollen!)
 


Dritter Aufzug

Siebente Szene.

Ort, Zeit: wenige Tage nach jenem 21.April; Waldrand im Hunsrück, hinten sieht man Nentershausen jenseits des Rheines in liebliche Hügel gebettet.

SaBiene stellt ihren - leeren - Pilzkorb ab, bespannt ihren Zauberbogen und legt einen Pfeil an.

SaBiene: (rezitiert dabei ihren neuesten Brief)

Doña Brigida, geliebte Schwester!
Wie ihr sicher noch wisset, steh ich in Fehde mit dem grünkühnen Recken Stephan zu Nentershausen. So las ich dann beim letzten Neumond um Mitternacht aus den Eingeweiden meiner Montierung und musste gar Schröckliches erkennen.
Der Recke war nicht untätig und hat seine Burg gut gesichert. Seine Mauern hat er verstärkt und auch einen Graben ausgehoben, in dessen Tiefen blutrünstige Werschafe ihr Unwesen treiben. Grundgütiger! Einer Erstürmung wird er nun standhalten. Zu lange war ich müßig. Durch diese Vorgänge beunruhigt, tarnte ich mich als schnelles Insekt und flog zum Orte des Geschehens. Es grämt mich, Dir berichten zu müssen, dass er schon seine Söldner um sich sammelt. Ich darf nicht länger untätig sein. Es muss etwas geschehen!
Doña Brigida! Einst hörte ich, dass Ihr Kontakte zu einem Land nicht weit vom Hunsrück pflegt. Ein Land des Wassers und des Dunstes, Eifel genannt. Dort soll ein Mann leben, der in der Kunde der Heilkräuter sehr bewandert ist. Seid so gut und lasset mir ein gutes Pfund getrockneter Killerpilze zukommen, auf dass ich die... Werschafe bekämpfen kann.
 
Orange-blaue Grüße

 

-- 
       <| <o   SaBiene zur Ehrenburg
        |  P\
      u_U_UAu
      `+-+-+'
U|_u_u_|   |_u_|U
\|-----| ^ |---|/
 |_____||_||___|

(Blitz und Donnerschlag. Verwandlung. Man kann hier eine riesige bunte Postkarte auf Höhe des Proszeniums absenken, um dahinter das Bühnenbild umzubauen.)

Achte Szene.

Liebliche Stadtlandschaft mit Biergärten, weißblauen und schwarzgoldenen Fahnen.

Lustiges Volk. Blasmusik. Auftritt der Spion Spechtus de Rohrus mit wolkenfarbenem Tarn-Kapuzenmantel.)

Spechtus:

Ha! Mich deucht....
Als ich dieser Tage auf der Hohen Veste Diez verweilen durfte, konnte ich die Schaf-Wehren besichtigen, die mir die Burgherren mit nicht geringem Stolze vorzuführen beliebten. Zwar hatten sie die Palisaden bereits tief in die Erde getrieben, als meine Pferde das Burgtor bei darniederbrechender Nacht erreichten, so dass ich nicht zu sagen wüsste, ob wühlende Maulwürfe ihnen etwas anzuhaben vermöchten. Jedoch waren sich Sir Patrick, der flinke Thain Frank, der weise Meister Berthold und der grünkühne Recke beinahe sicher, dass ein böser Zauber all ihre wohlgeschmiedeten eisernen Nägel verfluchet haben musste. Denn siehe, nicht nur starrte der einst blanke Stahl nur so vor Rostflecken! Weh und Ach, nein, auch die dazumals schlank strebenden Stangen wandten und schlängelten sich im Zuber, dass es ein wahrer Graus war. Ein ums andere Mal griff Sir Patrick nach einem Nagel, um ihn, das Entsetzen aufs Antlitz geschrieben, wieder fallen zu lassen, da er sich noch in seinen Fingern zu winden und zu wickeln schien. Auch schienen seine starken Arme behext zu sein, dass Mjöllnir, sein mächtiger Hammer, nur mit streichelndem Schlage die Nagelköpfe traf. Und einer der pfundigen Pfähle gar! Als hätte eine böse Rune das Holz im Innersten zu Diamant gehärtet, so ließ er einen Nagel um den anderen stumpf werden und elendiglich zerspleißen.
Und üble Sumpfgase entstiegen dem Burghof, als der Abendnebel sich darniedersenkte... Irrlichter geisterten durch die Dornenzweige... in der Ferne schrie ein Käuzchen...
Fürwahr, die Nentershauser Recken und die das Diezer Wappen führen, und der widatoweise Meister Berthold werden alle Kraft und allen Mut brauchen, um sich dieser bösen Zauber zu erwehren! Aber dann wurde mir zugetragen, dass eine gute Fee ihnen jeden Abend das Mahl zubereitet. Nichts Böses lässt sie hineingelangen, verfluchte Vitamine werden vertrieben, frohes festes Fleisch muss es sein von den kräftigsten Tieren der Herde, auf dass die Muskeln der Helden schwellen und ihr Mut niemals sinkt...
Doch horch! Das Edelfräulein lernt gerade, sich zu verdoppeln!
Weiß der grünkühne Recke Stephan beidhändig die Lanzen zu regieren?!?
Das Volk harrt staunend, welch neue Mär wird der Morgen künden?

(Ab nach links. Verwandlung, wie die vorige durchzuführen.)

Neunte Szene.

Der Rosengarten.

Doña Brigida sitzt auf der Terrasse, ein großer Kater, Don Felipe, streicht um ihre und Karolines Beine.

Brigida: (liest und faltet dann einen Brief)

Oh, werteste Edelfrau SaBiene zu Ehrenburg!
 
Es gibt nur eine Waffe, die den grünkühnen Recken das Fürchten lehrt!
Rameria Palida heißt das Zauberwörtchen, das selbst Wölfen das nackte Grauen einflößt. Ein ganz klein wenig reicht, und Recken und Wölfe werden verbannt auf ein stilles Örtchen und somit außer Gefecht gesetzt, betröppelnd schauend auf den Fehdehandschuh, den einst sie warfen mit starker Hand!
Wenn es Euch beliebet, geliebte Schwester, macht sich Rosinante aus Hispanien auf Flügeln auf den Weg in die Eifel, um ein wenig zu besorgen von diesem edlen KING-Pilz.
 
Lasset mich Eure Entscheidung wissen,
Brigida von Hispanien

(Verwandlung: weg mit den Postkartenbildern. Wieder richtige dreidimensional tiefe Bühne.)

Szente Zehne.

Toms eher operettenhaftes Schloss, im Hintergrund die Kasselburg.

Tom, leger gekleidet, Füße auf dem Tisch, im Beobachtungsstuhl vor seinem noch unbedachten Gartenobservatorium, hält einen riesigen Plot von SaBienes letzter geheimer Nachricht ausgebreitet vor sich, und vergleicht mit sichtlicher Freude Schloss, Burg, Sternwarte und Zeichnung.

Tom: (zu sich)

Cool!!! Find ich echt Klasse! Da antworte ich freilich mit unserer Kasselburg!
(Ist zwar kein Camelot, aber dafür sehr real und gut erhalten.)

(greift zum Tisch, und was hält er in seiner Hand? einen Zauberstab! ein großes weißes Tischtuch verwandelt sich *wusch* in ein ebensogroßes Pergament, und *wisch* *wasch* *wusch* läuft eine Maus darüber und hinterlässt mit vier winzigen Stiftlein eine Zeichnung.)

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Tom:

Macht richtig Spaß! :-)

Elfte Szene.

(Ein Page tritt auf und überreicht einen versiegelten Brief. Nonchalant erbricht Tom das Siegel und entfaltet das wesentlich kleinere Pergament. Der Page wartet einen Moment, wird nicht beachtet, und zieht sich mit leichter Verbeugung und mürrischem Gesicht zurück.)

Tom: (liest)

"Erlauchtester Sire Tom!
 
Erlaubt mir, eurem treu ergebnen Kämpen, meinen tiefsten Dank auszusprechen. Mit Stolz vernahm ich meine Ladung zur Tafelrunde an eurem Hofe!
Mit größter Freud' werd ich anreisen, samt meinem holden Weibe, der guten Fee. Welch große Ehr für uns, zur Weihe des neuen Schlosses berufen zu sein.
Doch erlaubet mir mit vertrautem Worte, Euch, Sire Tom, eine Warnung auszusprechen. Es gehn Gerücht' umher im Reiche. Des Satans Brut die Gelegenheit wohl nutzen will, Euch selbst zum gefüg'gen Werkzeug sich zu machen! Dahinter steckt, wie ihr wohl ahnt, die Hunsrückhex, das schlechte Weib. Statt offen und ehrlich den Fehdehandschuh zu ergreifen, versucht sie's mit List, gar von Gift iss die Red!
Mir ahnt, es geht um mehr als nur um mich. Denn sterb ich von Eurer Hand, ist's um Euer Königreich geschehn! Das Volk wird entzweit, steht schutzlos da, dem Feinde preis! Wem würd' sich dies zu nutze sein, Ihr fragt? Mir ahnt, man muss nach Süden schauen. Erst kürzlich erhielt ich durch einen Freund nen Gruß aus Spanien, samt einem Schmaus. Geräuchert Wurst, oh war sie gut! Ob Gift drin war kann ich nicht sagen, hab ich doch nen Wäller-Magen!
Drum Sire Tom, seid auf der Hut, und prüfet sorgsam wer Euer Freund!
 
Stephan von Nentershausen"

(Sichtlich amüsiert, schnippt Tom mit den Fingern. In der Luft schwebend und tanzend erscheinen leuchtende Buchstaben, die seinen leisesten Fingerbewegungen folgen und sich alsbald zu einer Antwort ordnen.)

Werter Freund, grühnkühner Recke,
 
ein Schurke wär' ich, hieße ich Euch ins Schloss zu kommen, um Euch hinterhältigst zu meucheln. Doch wisset, unumgänglich ist Eure Anwesenheit! Bestimmte ich doch seinerzeit Platz und Zeitpunkt des Ehrenhändels zwischen Euch und der "behenden Imme"! Die Waffen liegen bereit: Ein feiner Streitkolben, geschmiedet mit kunstgeübter Hand vom Zwerge Weiland, und ein Wuchthammer aus dem Schlosse Asgard.
Doch kam mir längst zu Ohren, daß die Hex' vom Hunsrück eine Missetat plant. Zusammen mit ihrer iberischen Sekundantin gedenkt sie heimtückische Gewächse aus den königlichen Wäldern zu rauben, um Euch damit zu Leibe zu rücken. Nun wissen die Hexen aber nicht um den furchtbaren Lindwurm, der in den Wäldern haust. Manch jungen Degen, der ihn zum Kampfe stellte, verschlang er mit Haut und Haar! Was wollen da zwei schwache Weiber ausrichten?
So reitet unbesorgt, doch tapferen Herzens ins graue Land nördlich des vielgewundenen Flusses, und tretet an zum edlen Zweikampf. Dem Gewinner winkt viel Ehr'. Der Verlierer hingegen wird von den Bestien im Schlossgraben verschlungen. Diese werden behütet von Lady Anja, der hohen Frau. Es handelt sich hierbei um zwei bissgewaltige, schwarz-blau befiederte Kampfvögel und zwei reißende Wer-Kaninchen. Bedenket: Der Mond ist rund in der Nacht des Ehrenhändels!
 
Mit freundlichem Gruße
Der Herr Thomas von Gerolstein

(mit einem großen bunten Wappen-Siegel daneben. Mit einem Fingerschnippen rollt die schwebend-leuchtende Nachricht sich zu einem schlanken Rohr auf, mit einem Wink rast sie funkensprühend davon in den Abendhimmel.)

(Lichter langsam abblenden. Verwandlung auf dunkler, offener Bühne.)

Zzzz...wölfte Szene.

Die Kemenate der Ehrenburg.

Die Geisterstunde schlägt. Brieftauben lösen einander am Fenstersims der Kemenate ab - Nachrichtenempfang mit der Pfeilmethode wäre dann doch zu gefährlich. SaBienes Kristallkugel glimmt in der dunklen Kemenate.

SaBiene: (zu sich, ein Mini-Pergament lesend)

"Geliebte Schwester SaBeugine zu Ehrenburg!
 
Mich dünkt Schlimmes! Eine Verschwörung der grühnkühnen Recken und Sire Thomas von und zu Gerolstein bahnt sich an! Verrat an Ihrer und meiner Person!!! Ein Affront, der gestraft werden muss! Schlimmste Rachegedanken quälen mein ach so sanftes Gemüt!
Seid getrost, denn auch wir haben wilde Tiere. So rüstet sich Don Felipe bereits zum tapferen Kampf, und Abermillionen hispanische Ameisen sind bereit, die Fluren der Hochburgen zu erobern und zu zerstören!
Doch keiner könnte diese Unbolde mehr das Fürchten lehren als der spanische Großinquisitor, Don Jochen von Toledobüttel, dessen Beistand und Hilfe ich gestern ersuchte! Hoch aus dem Norden wird er, den Karkoschka schwingend, ansetzen zum Sturm auf wölfische Stände und ungläubige Verräter!
So lasset uns unbeschwert der Stunde unseres endgültigen Sieges entgegensehen!
 
Aus Hispanien umarmt Euch, werteste Schwester,
Brigida de Villa Albireo de la Frontera"

(In der Kristallkugel erscheint eine Gestalt. Das Leuchten verstärkt sich, nun erscheint sie auch groß an die Wand projiziert. Es ist ein mächtiger ostwestfälischer Hüne, im Bärenfell, die Keule an seiner Seite.)

Herbert:

Verehrte Sabine zu Ehrenburg,
 
mit Bestürzung vernehme ich soeben über meinen elektrischen Kundschafter die Nachricht vom erneuten Aufleben dieses Streytes aus längst vergangenen Zeiten. Darf ich Euch versichern: würden mich nicht Pflicht und Neigung gleichermaßen hier im nebelverhangenen Lande bei Porta Westfalica festhalten, ich würde Euch stehenden Fußes zu Hülfe eilen. Jedoch sind marodierende Mörderbanden, hervorgegangen aus den Resten der unweit von hier im Kalkries einst von dem heldenhaften Cheruskerfürsten siegreich geschlagenen römischen Söldnerbanden des Quintilius Varus, immer noch eine ernste Bedrohung für eine so kleine Streytmacht wie die meinige. Und so darf ich Euch an die Anwendung der gewiss erfolgreicheren weiblichen List erinnern, die Euch im Verein mit meinem Vorschlage den Sieg bringen möge!
 
Eure Furcht vor den Kampfschafen des Nentershauseners ist gewiss nicht unbegründet, für eine vorzeitige Aufgabe besteht jedoch keinerley Anlass! Wie ich auf meinen Reisen durch das nördliche Europa und beim Studium der dortigen Völker erfuhr, waren die Vorfahren der heutigen Nordmannen oder Wikinger aus dem eisigen Norwegen auf ihren Plünderungen der gesamten zivilisierten damaligen Welt nur aus einem eynzigen Grunde erfolgreich: sie fertigten sich aus dem Haarkleyde ebendieser Kampfschafe sogenannte Überzieher, Kleydungsstücke mit vier Löchern darinnen, für den Kopf, den Leyb und die beyden Arme. Dieses wurde durch Verwendung geeigneter Farbe mit einem ausserordentlich martialischen, ja heydnischen Muster versehen, welches auf Mensch und Tier einen gleichermaßen demoralisierenden und erschröcklichen Eindruck machte, dass beyde in seltener Gemeinsamkeit die überstürzte Flucht ergriffen. Noch heute ist dieses inzwischen ritualisierte Kleydungsstück in weiten Kreisen gefürchtet. Seine Wirkung insbesondere auf Kampfschafe erklärt sich aus dem feinen Geruchssinn der Tiere, die ihre fernen, unzivilisierten Verwandten erkennen und panisch davonstürzen.
 
Möge der Sieg Euer seyn, Euch und Eurer gerechten Sache ergeben,
wünscht Euch Herbertus von Huculvi, in Tradition seiner Vorfahren aus dem Frankenlande maître de maison.

SaBiene: (seufzt, schreibt einen Zauberbrief)

"Geliebte Schwester Brigida de Villa Albireo de la Frontera!
 
Mein tapfrer Spion aus dem fernen Bayern hat unter Gefahr für Leib und Leben die Pläne der Festung zu Nentershausen geraubt, welche ich derweil studiere.
Seid unbesorgt, was König Tom angeht. Besorgt mir bitte eine spanische Fliege und er wird zu abgelenkt sein um seinem Recken zu helfen. Lady Anja wird es uns danken.
Sollte der Recke es wagen, die beiden Flüsse zu übertreten, um ins graue Land zu gelangen, wird er spätestens an der Zollburg Pfalz im Rhein aufgehalten werden, welche ich erst kürzlich erobert.
Doch bedenkt! Selbst der Großinquisitor wurde kürzlich vom grünkühnen Recken auf seiner Burg eingelullt.
Ich weiß nicht ob man ihm trauen möge.
 
Aus dem schönen Hunsrück grüßt und umarmt Euch
Lady SaBeugine zur Ehrenburg"

(Blitz. SaBeugine hat inzwischen aus übrigen Teilen des Eingeweides von Äffjes Montierung einen Schalldämpfer für Zauberbriefe konstruiert. Also kein Donnerschlag. Das Publikum, denselbigen zwangsläufig erwartend, ist wie vom Donner gerührt.)

Herbert: (die Erscheinung wendet sich zur Seite und spricht jemanden außerhalb des leuchtenden Kristallkugelbildes an)

Grünkühner Recke, genannt Stephan zu Nentershausen!
 
Ich vernehme mit Befremden von Eurer Absicht, mit der Dame edlen Geblüts SaBiene zu Ehrenburg Händel zu beginnen, einem alten Streite folgend aus längst vergessenem Anlasse! Weiß Er nicht, dass es einem Recken nicht ansteht, ein solches zu unternehmen, nicht zur Ehre der holden SaBiene noch zu Seiner eigenen? Mir will scheinen, vom "grün" Seines Zunamens auf Sein Alter schließen zu dürfen! Die Kühnheit, derer Er sich in Seinem Namen gleichfalls rühmt, kann ja wohl nicht im Streite mit Weibern errungen sein? Kann es tatsächlich sein, dass Ihm unbekannt ist, beim Streite mit dem schönen Geschlecht sich genau der Tugend zu befleißigen, derer sich weibliche Geschlecht mit gewissem Rechte rühmt: der Nachgiebigkeit?
Es steht einem Manne gut an, dieses zu bedenken, will er nicht mit billigen Siegen prahlen, Pyrrhus-Siege wären solche allemal!
 
Bedenke Er dies und handle Er entsprechend!
So rät's der Herbert von DrBoozu, Porta Westfalica.

(SaBiene dreht mit dem Feintrieb ein wenig an der Zauberkugel und grinst. Die Gradskala-Idee hat sie erst neulich von keinem anderen als Stephan entwendet!)

Stephan: (zunächst dumpf und hohl nur seine Stimme, dann verschiebt sich das projizierte Bildfeld, Herbert verblasst und der Grünkühne erscheint von der anderen Seite)

Werter Herr Herbert!
 
Mich deucht, nicht recht im Bilde ihr seid! S'ist kein Streit von mir im Gange, schon gar nicht gegen edle Damen! Tu lediglich des Ritters Pflicht: Uns schönes Land vor des Satans Tochter, der Hunsrückhex zu wahren! Gar gerne gibt sie sich als Edelfrau aus, lullt so manchen braven ein. Die Augen auf und habt gut acht, eh' sie auch euch umgarnet hat!
Selbst der Großinquisitor, vor kurzem noch bei mir zu Gaste, beobacht sie nun schon seit langem. Fragt ihn, so wird er euch berichten!
Doch lange dauern wirds nicht mehr, wolln versuchen sie zu retten, vor der all zu dunklen Macht. Will hoffen das es uns gelingt, sie mit vereinten Kräften, am Hofe Toms, von des Teufels Besessenheit zu heilen.

(SaBiene dreht an einem anderen Rädchen, die Kristallkugelprojektion zoomt zum Weitwinkel: Herbert und Stephan sind nun zugleich zu sehen. SaBienes Grinsen wird im gleichen Verhältnisse breiter. Dann zoomt sie hinein auf Herberts Gesicht und drückt ein Knöpflein.)

SaBiene:

Wehrter Herbertus von Huculvi!
 
Es betrübt mich sehr zu hören, dass Ihr mir wegen des römischen Geschmeiß nicht zur Seite stehen könnt.
Jedoch werd ich Euren Rat beherzigen. Noch eine Bitte. Seid so gut und sendet einen Eurer Boten ins ferne Britannien. Welcher meinen Verbündeten Prinz John auf der Feste ASN aufsuchen möge, um ihm eine Botschaft zu überbringen.

(Eine weitere Taube übergibt aufgeregt flatternd ein Mini-Pergament)

SaBiene: (liest, mit erst froher, dann sich verdüsternder Miene)

"Holde Sabeugine, venehmet die Geschichte,
die ich Euch allsgleich verdichte.
Eure Schwester begab sich auf Fliegenfang
überwand zu speien ihren eigenen Drang,
als sie entdeckte auf Kuhfladen ein besonders großes Exemplar,
welches für unsere Zwecke eignete sich fürwahr!
Es schillerte in den schönsten Farben
kein hispanischer Misthaufen es jemals ließ darben.
Mit diesem Monster es uns wird ein Leichtes sein
zurückzugewinnen Ihren Heiligenschein!
Schaudern sollen King Tom und die grünkühnen Recken
und winselnd ihre Waffen strecken!!!
So malte ich mir Ihren ruhmhaften Sieg schon aus,
als die Fliege ereilte ein plötzlicher Garaus.
Schwerlich gewinnt man Ehrenhändel und Kriege,
wenn man in zarter Hand hält eine Eintagsfliege!
 
Ich kann die Tränen nicht länger unterdrücken....
Brigida de Villa Albireo de la Frontera"

(Licht schlagartig aus. Einige Augenblicke völlige Dunkelheit und Stille, dann fällt der Vorhang.)
 

(Dram.Pers.|Inh.|1.Aufz.|2.Aufz.|3.Aufz.|4.Aufz.|5.Aufz.)

Vierter Aufzug

[Das war lang, was? Noch nicht lang genug. Der vierte Akt erst - er muss sich in jedem klassischen Drama e-n-d-l-o-s hinziehen.... (D.Hrsg.)]

Unglücklicherweise gibt es auch eine 13.Szene.

Das düstere, halbverfallene Durham Castle.

Prince John, im Armlehnstuhl, in Filzpantoffeln und eine Pfeife schmauchend, lässt sich vom Butler die frisch gebügelte Zeitung und den Tee reichen. Statt sich lautlos zurückzuziehen, tritt George nur einen Schritt zurück und bleibt leicht vorgebeugt stehen. John bemerkt ihn zunächst nicht. George räuspert sich sehr dezent. Als John spricht, tut er es in einer ziemlich unbritisch-unadligen Lautstärke und mit einem fürchterlichen "Kraut"-Akzent. (Oh diese Heiratspolitik des Hochadels...)

John:

Yes? What's ze matter?

George: (30 Dezibel leiser; ein winziger Hauch eines Vorwurfs ist nur durch die um dreieinhalb Zweiunddreißigstelzoll angehobene rechte Augenbraue ausgedrückt)

Clouds of war are forming over the Continent, and you, Sir, are sleeping?!?

John: (fast grob und gerade zu Fleiß die Grammatik missachtend)

You also would sleep when you were on the castle tower the whole night, looking stars to find out the fate of our Majesty...!

(George's weißbehandschuhter Zeigefinger deutend schweigend auf einen kleinen Artikel, neben den größeren über Pferderennen und die traditionelle Fuchsjagd leicht zu übersehen. Langsam erwacht Prince Johns Interesse. Pfeife im Mundwinkel, erhebt er sich und geht zu seinem riesigen Mahagoni-Schreibtisch.)

John:

Phew! These Germans...
 
Hmmmmmm. Quite tricky!

(Er sinniert eine Weile, aus dem Fenster in den dichten Nebel starrend. Dann greift er zu Feder und Papier und wirft ein paar Zeilen auf letzteres. Die Feder streikt, er wirft sie hin.)

John:

George? Translate into German please....

George: (sehr leise, während er schreibt)

"Wer hat mich gerufen? Gar gezogen?
An der Sphäre langgezogen?
 
Ich gebiete Euch:
Habt Frieden miteinander. Nur Frieden hilft. Frieden!!!
Wir haben Frieden schon so lang. Alle Menschen sind gut. Auch die Wikinger."

John: (halb sich kommentierend, halb diktierend)

Wikinger. Pah. Diese Ausgeburten. Hinfort mit ihnen. In den Burggraben. Pfählt sie. Bindet sie ans Feuerrad und schmeißt sie der eisernen Jungfrau zum Fraße vor.
 
Georg, das letzte bitte streichen!
Frieden...!
 
Ich weiß, der Kontinent ist unterentwickelt.
Bröckelnde Türme, zugige Fenster.

(Ein Windstoß fegt durch die geschlossenen Schiebefenster, durchraschelt die Blätter am Schreibtisch und die Zeitung, lässt die Scheiter im offenen Kamin hell auflodern und Funken in den Schornstein stieben - welch Vorahnung!)

John:

Rostige Ritterrüstungen mit klemmenden Strullklappen.
Pferdewagen mit unrunden Rädern.

(Draußen hört man mit lautem Rattern einen Zweispänner die holprige Pflasterstraße entlangholpern.)

John:

Schiffe, die zwar auf dem Rhein schwimmen, aber alsbald das Nass nach unten durchqueren, wenn sie mal richtiges Wasser sehen...

(Aus drei Seemeilen Entfernung scheint der Wind Schreie heranzutragen. George wartet geduldig.)

John:

Dennoch sehe ich mich gezwungen, mich bald in dieses Land hinfort zumachen, um den Frieden von der Festung im Eifellande herab zu verkünden.
Mein stählernes Ross werde ich rüsten, und Mr Chevalier wird meine Lanze sein.
Damit ich notfalls einschlagen kann die Köpfe aller Feinde im Abstand von sieben Fuß. Und ihre Gemächer brandschatzen kann nur mit der Sonnen Hilfe.
 
Um dann endlich zur Eifelburg zu gelangen, um im Rahmen der Einweihung des dortigen Herren neuen Lustschlosses den Frieden zu verkünden.
 
Da reichen soll bis nach Inglaterra und Hispanien, ja sogar bis zur Ehrenburg!
 
Über die Wikinger reden wir später.
 
Nun denn, ich zeichne mit Brief und Siegel,
 
-bah dieses Pech stinkt zum Himmel ...autsch! -
 
"Prinz John zu Durham"

(Licht aus, Verwandlung.)

Vierzehente Szehente

Der Altan von Meister Bertholds Haus. Sternenhimmel.

Der Meister, im Sternenmantel und mit langem spitzem Hut, mit ausgebreiteten Armen auf und ab schreitend, sich über den weißen Bart streichend, übt eine seiner unvergleichlichen Volksreden.

Berthold: (halblaut, aber phasenweise mit Emphase)

Höret, Ihr tapferen Herren und edelen Frouwen!
 
Vom berittenen Boten Emaillius kam die Kunde in meine Burg, dass die Fehde des grünkühnen Recken mit der edelen Frouw Sabeugine zu Ehrenburg erneut entflammet.
Nennet Er sie Hunsrückhex, und dass sie Ränke schmiede wider Ihn, und Er sie der Giftmischerey anklage, erzählte man mir.
Nun muss ich Euch gestehen, dass ich traf jene, welche der grünkühne Recke nennet Hex. Zu Nentershausen wars, just zu Füßen der Trutzburg, in der Stephanus der Grüne weilet. Was soll ich sagen? Eine wahrhaftige Dame von großem Liebreiz, klug und weise und mitnichten eine Hex!
 
Nun führet der grünkühne Recke ins Felde, es sei Zauberey, SaBeugine sei eine Circe, die die Sinne verwirre. Wohl verwirret Sie die Sinne, die Holde, die Edle doch ob Ihrer Güte und Freundlichkeit und nicht durch Zauberey scheint es wohl:
 
Frage ich den Dorfpfaffen, so höre ich von den mannigfaltigen Schlichen des Bösen und wie Er in ein Weib einfahret, da das Weib eine leichte Pforte sey und ob Besagte rote Haare habe, was jeder Kundige als ein untrügliches Zeichen sehe, ebenso, ob Sie einen Besen mit sich führe oder ob sich in Ihrer Nähe eine schwarze Katze sich aufzuhalten pflege und noch viel mehr solcher Dinge. Er gab mir ein Büchlein, genennet Malleus maleficarum zum eyfrigen Studium!
 
War ich immer der Meinung, dass meine Sinne beisammen sind. Nach der Rede dieses Pfaffen bin ich nun nicht mehr sicher, ist schwarz nun weiß und Liebreiz Hexerey?
 
Ich bitt Euch, rückt meinen Kopf gerade!
 
Spricht Euer Berthold von Sunnaberga, der sich befleißigt, der Sterne Lauff zu studieren, die unser Herr so fürtrefflich ans Himmelszelt geheftet!

(Der Mond verfinstert sich. Verwandlung.)

Fuffzehnte Szene.

Die Kemenate der Ehrenburg, wie 12.Szene, doch heller Morgen.

Es geht zu wie in einem Taubenschlag.

SaBiene: (schreibt)

"Doña Brigida, geliebte Schwester!
 
Es gelang mir kürzlich, den weisen Berthold von Sunnaberga aus den Reihen des grünkühnen Recken zu umgarnen. Er wird ein willig Opfer sein.
:o)
Doch spielt der Pfaffe zu Diez ein falsches Spiel und flüstert ihm Schändliches ein. So stößet er sich an meines Hauptes güldenem Haar, und auch mein treuer Gefährte sei ihm nicht geheuer. Der Pfaffe muss weg. Habt die unendliche Güte und schreibt dem Großinquisitor einen Brief, da ihr einen guten Einfluss auf ihn habt. Er möge den Pfaffen aus seinem Bistum entfernen. Ich werd derweil mein Haar und auch der Katz ein neues Antlitz geben.
 
Aus des Hunsrücks tiefen Wäldern
SaBeugine zur Ehrenburg"

(Sie geht zu ihrer Kristallkugel, setzt sich, und zieht ein großes schwarzes Tuch über Kugel und Haupthaar.)

Brigida: (ihre Stimme klingt aus weiter Ferne unter dem Tuch hervor)

"Werter Don Jochen von Toledobüttel, Großinquisitor der heiligen spanischen Albireo-Inquisition und geschätzter Freund!
 
Zu unrecht wird bezichtigt in fernen Hunsrücker Wäldern meine holde Schwester SaBeugine der Hexerei! Grünkühne Recken, an deren Tisch Ihr Euch wohllabtet, drohen, meine liebliche Schwester den wilden Karnickeln im Eifellande zum Fraße vorzuwerfen und wollen flechten aus ihrem güldenen Haar einen Maienkranz! Bitte eilet zu Hilfe! Schwinget den Karkoschka und vertreibt den bösen Jupitergeist, von dem diese Recken wurden befallen! Zürnet, wenn nötig, und lasset sie sühnen für ihre Frevel! Lasset jedoch Gnade walten Bertholdo von Sunnaberga, dem Weisen. Seinen schrecklichen Fehler er erkannte und zutiefst bereute.
 
Zu Villa Albireo de la Frontera anno 2002
Brigida von Hispanien, Marquesa von Möchtegern-Go-To und Reina von Animalandia"

(Einen Augenblick völlige Stille und Regungslosigkeit. Gaaaaanz langsam gleitet das schwarze Tuch zu Boden.)

(SaBiene sieht verwandelt aus.)

(Oder zumindest ----
---- sie hat eine neue Brille auf.
 
Der Vorhang fällt blitzartzig für einen kurzen Umbau, noch bevor man sich fragen kann, ob die Haare nun goldgelb oder rötlichgold sind.)

Sägezähnte Szene.

Der Vorhang hebt sich und enthüllt eine weiße Leinwand. Ein IMAX-Projektor zeigt in nächster Nähe eine poröse Stein-Oberfläche.
Die Kamera zoomt zurück. Ein Steinzapfen vor dem hellen Himmel. Mehrere, eine ganze Reihe. Eine Kante. Maßwerk.
Langsam nimmt ein gewaltiger und dennoch leichtfüßig himmelstrebender (neu-)gotischer Turmhelm Gestalt an. Dann ein zweiter, ihm gleichender. Ein BinoTurmhelmPaar.
Nach ein paar Minuten bildet der Kölner Dom, mit dem unsäglich danebengepfriemelten Hauptbahnhof und der bebenden Rhein-Eisenbahnbrücke, die Kulisse. Die schwindelerregende Kamerafahrt endet, das Bild steht.

Ein unglaublich langer Ritter im Pappkartonhelm mit Holzschwert reitet auf einem Steckenpferd herein. Sein Steckenpferd ist offensichtlich ein Fernrohr.

Andreas:

Wie geht es an , dass Hexenweiber sich erdreisten den hochwohlen Leut zu drohen an Leib und Gut?
 
Geläutert sollt ihr seyn, ihr rothaarige Giftmischerin.
Vor Volkes Augen sollt ihr bekehret werden eines starken Glaubens und gestehen, der Missetaten die ihr begehet habt.
Die Flammen werden eure verlorene Seele retten, wenn der Mai ins Lande kommt.
Der hohe Rat der Priester und Bischof zu Cöln haben mutige Helden gen Süden geschickt, die Hunsrücker Wälder zu durchforsten um der elendigen Hex habhaft zu werden.
Heißa, der Maitanz erfreut unser fromm Gefolge und des Scheiterhaufens Licht wird strahlen von Cöln nach allen Landen.
 
Das verspricht Euch: Andreas, freier Ritter zu Leidenhausen!

(Andreas ab, Projektor aus, die weiße Leinwand hebt sich.)

Jenseits-des-Siebzehngebirges-Szene

Die Ems-Marsch. Drei schon etwas betagte Wikinger-Langschiffe, offenbar noch zum Überwintern an Land gezogen. Im Herbst hastig errichtete Holzhäuser - aus den Planken eines weniger geordnet gestrandeten vierten und vielleicht fünften Schiffes gezimmert; der Rauch quillt aus den Dachritzen. Eine mächtige Streitaxt mit Resten von Gold-Verzierungen ist über einer Haustür befestigt.

Ein paar ebenfalls überwinterte Gestalten machen sich ohne Hast an den Schiffen zu schaffen, bessern Schilde und Ruder aus. Irische Sklavinnen flicken die Segel. Ein rotbärtiger Geselle lackiert in ebensolchem Rot den Drachen-Sporn des mittleren Schiffes: Dietrich, oder Thidrek. Es war eine Verwechslung der Gebrüder Grimm, die ihn mit Theoderich dem Großen, König der (erst West-, dann aller) Goten in Ravenna und Bezwinger des ostrogothisch-weströmischen (alles klar?) Reiches, in sagenhafte Beziehung setzte. Dass Thidrek sich selbst um ein halbes Jahrtausend in die Zukunft verirrt hat, aus der Völkerwanderungs- in die Wikingerepoche, ficht ihn offenbar nicht an. Sein Platt hat auch nur bedingt etwas mit alt-Isländisch zu tun...

(Von einem etwas jauligen Tonband wird der "Walkürenritt" eingespielt.)

Thidrek: (sing/skandiert; ein Rabe lauscht ihm aufmerksam)

Im Namen Odins,
 
ich Dietrich der Rote vom Nord des Emslandes, Wikingerkönig, frag euch, wie ihr es wagen könnt, mein teuerst Freundin im Hunsrück als Hex zu verunglimpfen. Sturm aus Odins Rachen wird über euch hinwegziehen, Thor seine Blitze gen euch schleudern. Noch heut brechen meine Söhne Odins auf, euch hinwegzufegen in den untersten Höllenschlund.
Ihr Priester mit dem Gott ohne Namen, Valhalla ist erwacht, zittert vor der Urgewalt Dietrichs. Verschon' wollten wir euch erst, aber jetzt sei euch gewiss, wenn im Hunsrück ich bin, kein Stein bleibt stehn, um die Maid zu befreyn aus euer schmutzig Hand und Feuer und Sturm bey euch entbrannt.
SaBeugine zur Ehrenburg, seid Euch gewiss, die Söhne Odins stehn Euch bey, kriechen solln die, die Euch beschuldigen, vor mir als Wurm.
Gegrüßest seist Du auch Doña Brigida von Hispanien, der Du auch SaBeugine zur Ehrenburg beistehst, euer Schutz sei mir Befehl.

(Der Rabe wartet noch einen Moment mit auf die Schulter gelegtem Kopf, dann hüpft er einige Meter weiter zu einem nicht unbeachtlichen Haufen Beute, pickt sich einen Sombrero heraus, setzt ihn sich auf, und fliegt so gen Süden.)

[Die nordischen Runen wurden von der weisen SaFleißBiene in mühevoller Kleinarbeit entziffert. (D.Hrsg.)]

Achtzehnte Szene

(Während Thidrek-Dietrich sich weiter seinem Drachen widmet, reitet Steckenpferdritter Andreas durch die hinteren Parkettreihen!)

Andreas: (zu Dieter, der ihn kaum beachtet)

Seyet gewiss Dietrich,
bis ihr habet euch aufgemacht euer Hex, der SaBeugine zur Ehrenburg, beizustehen, des Bischofs Gefolge wird befreyt haben das Land von Zauber und Hexerei. So auch Ihr seid verfallen der Hexeskunst der SaBeugine! Aber Hülfe naht. Man hört, es sey ein Exorzist geeilt ins ferne Land der Ems, um zu heilen Euch von des Hexes Fluch, die des Teufels Treue schwur.
 
Saget ab eurem freflischen Tuhn,
so warnet Euch Andreas, freyer Ritter von Leidenhausen, zu Cöln, rechts des Rheyns!

(Ab durchs Proszenium.)

Neunzehnte, etwas Panoptische, Szene

An einer Stahlseilbahn schwebt ein Ledersofa vor die Ems-Marschen.

Ein würdiger älterer Herr mit schmalem ovalem Gesicht, hoher Stirn, gepflegtem Bart und altmodischer runder Brille sitzt darauf. Er ist offensichtlich kurzsichtig und scheint ein paar Gesichter im Publikum für einige seiner Bekannten zu halten.

Stephan von Seelenburg:

Hallo Ihr mittelalterlichen Albireos,
 
jetzt klärt mich doch bitte mal auf, wie dieser Ehrenhändel eigentlich entstanden ist, wer gegen wen und warum und wann???
Ich hab da wohl was versäumt, aber solange ich nicht besser informiert bin, kann ich natürlich nicht die heimatlichen österreichisch-ungarischen Truppen mit Kaiser Franz-Joseph zum Eingreifen mobilisieren...
Bibsch: hast Du da nicht eine Ursprungserklärung in Deinem unergründlichen Mehl-Archiv?!?

(Nein, er träumt offenbar, und deutet den Traum zugleich. Das Sofa landet neben einem unterdessen aus der Kulisse hereingeschobenen Sessel, auf dem Doña Brigida sitzt. Sie tauschen die Plätze.)

Brigida: (wie in leichter Trance)

Allerwertester Stephan von Seelenburg!
 
Soeben wollte ich Euch aufrufen in den heiligen Kampf, als auf meine ausgestreckte Hand flog Ihre Brieftaube!
Eilet uns zu Hilfe, denn Grauenhaftes vernehm ich aus germanischen Landen!
Ein alter Hader, heraufbeschworen von Stephan von Nentershausen, auch genannt der grünkühne Recke und seinen blinden Gefolgescharen, lässt mich erbangen um das Mundwerk meiner geliebten Schwester SaBeugine von Ehrenburg, holde Maid aus Hunsrücker Wäldern, zu unrecht der Hexerei bezichtigt! Minnesänger tragen ihr Leid von Burg zu Burg!
In den feuchten Gewölben Villa Albireos de la Frontera ich fand die Beweise dieser schändlichen Ursachen, und meine Brieftaube Amalia von Villa Albireo de la Frontera sich schleunigst macht auf den Weg in Eure fernen Gefilde.

(Musik: die Waldzauberstimmung aus dem "Siegfried". Es ist nicht ganz klar, ob Doña Brigida eine Erscheinung in des Seelenburgers Traum ist, oder umgekehrt, oder...)

Brigida: (in tiefer Trance)

»Wenn's uns recht zu Ohre drang, so ward dem Lustigen Recken zu Nentershausen der Streit erklärt von der holden Herrin zu Ehrenburg.
Man nennet als Grund die kühne Verlautbarung des Lustigen Recken über die Größe des Auges von jenem Telescopium, welches man Äffje rufet.
Genehmigen werden wir dies Spektakel nur, wenn ehrenvoll gekämpfet wird, und wenn die Waffen spitz sind. Unsere königlichen Ritter stellen in ihrer Großzügikeit ihren Turnierplatz zur Verfügung, so dass ein jeder dem Spektakel beiwohnen möge.
In diesem Sinne:
"Mord rufet! Und des Krieges Hunde entfesselt!"«

(Im Hintergrund scheint der Drachenkopf langsam rot genug angelaufen zu sein.)

Brigida: (ebenso)

Alsdann rief Berthold von Sunnaberga, der Weise:
 
»Nennet den Tag und die Stund', an dem sich die Klingen der Herrin von Ehrenburg mit denen des grünkühnen Recken zu Nentershausen kreuzen, und nennet den Ort an dem dies Hauen und Stechen gegeben wird.
Bedenket den weiten und beschwerlichen Weg den viele des Ordens nicht scheuen werden.
Wenn die Klinge der Herrin von Ehrenburg so scharf ist wie ihre Zunge, sollte der grünkühne Recke sich besser unter dem Rocke seines Weibes verstecken!
Auch war ich Ohrenzeuge der frevelhaften und gar lästerlichen Rede des grünkühnen Recken, der Gottes festgefügte Erd in wirbelndem Tanz um die Sonn und der Erden Scheib als Kugel sich drehend pries.
Welch Narrheit! Ist's doch dem kleinen Kinde verständig, dass mit einem Umschwunge alle Menschen von dieser Kugel fielen und alle Meere leer wären.
Auch verwirrt er die Sinne des leichtgläubigen Pöbels nicht nur durch solcherart Reden, sondern lässt das gemeine Volk schauen in ein Röhrlein, das durch Zauberey Fernes herbeirückt. Teufelswerk,sag ich!«

(Unterdessen ist der Sessel mit dem schweigend lauschenden, sich gelegentlich ein paar Notizen machenden Seelenburger langsam seitlich von der Bühne gezogen worden. Anschließend entschwebt das Sofa mit Doña Brigida.)

Zwanzigste Szene.

Der Blick auf die Emsmarschen ist wieder frei.

Dietrich hat Andreas im Publikum entdeckt (nun auf dem 1.Rang).

Thidrek (Dietrich):

Andreas freyer Ritter von Leidenhausen, zu Cöln, rechts des Rheyns,
 
wie könnt ihr es wagn mir, Dietrich dem Roten vom Nord des Emslandes, zu befehln.
Fünfzehn Drachenboot sin gelandt am Rhin, weiter dreyßig Drachenboot sin ufn wech.
SaBeugine is kin Hex, si hat geheylt minen Sohn, als er krank war schwer. Demselbn, den ihr Exorcist nennt, wird gefasst und Odins Wölfen zum Fraß geworfen. De Bischof solls nicht wagn, SaBeugine etwas anzutun, min Rach sey ihm und dir gewiss.
Uf uf Normannen, Valhalla wird verhöhnet vom Bischof, der da denket, sin Gott sey stark. Das Schwert eines Nordmanns ihr bald zu spürn krieget. Wüten wern wir mit Feuer un Sturm, den Atem Odins ihr erfahrn dürfet, Thors Hammer euch treffet wird.

(Zwei Boten-Raben Odins schweben ein, und nehmen Dietrichs nächste Worte entgegen)

Dietrich:

"Holde SaBeugine un Doña Brigida,
 
habet kine Angst, Dietrich der Rote vom Nord des Emslandes stehet euch bey. Hilfe nahet aus dem hohn Nord us dem Land der Normannen.
Sollet euch, SaBeugine von Ehrenburg, nur gekrümmet ein Haar, Bischofs Gefolge, wohl mit Loki im Bunde, wird Fenris zum fraße vorgeworfen.
Seyet gewiss, die erste Vorhut kommt, fünfzehn Drachenboot stehen am obren Rhin, dreißig weitre sin uffn Wech mit mir als Spitze, komm ich, um der Brut Feuer un Sturm aus Odins Rachen denen, die euch ein Leyd antun wolln, in den Wech zu fegn. Thor lässt den Himmel grolln.
 
Ich frey mich auf euch, um ein Krug Met mit euch zu trinkn un in Wildsau zu speysen.
Dietrich der Rote vom Nord des Emslandes"

(Die weiße Leinwand wird herabgelassen.)

Einundzwanzigste Szene.

Die Skyline von Toledo und die vertraute, ehern den Stürmen trutzende Silhouette des Hamburger Michel werden auf die Leinwand projiziert.

Mit schwarzem Kapuzenmantel, unter dem der Degen herausblitzt, einen dicken Folianten unterm Arm, schreitet der Großinquisitor herein.

Don Jochen: (doziert mit trügerisch sanfter Stimme, als sei das Theater eine Sonntagsschule)

Liebe Schäflein,
 
als dem Karkoschka nahe verbundene Institution leugnet das Himmelsjahr mit seinen Zeitangaben die Existenz der Sommerzeit konsequent. Solch Orthodoxie ist natürlich im Sinne der Inquisition nur zu verständlich. Wenn wir im Himmelsjahr in den lauen Sommermonaten schon die richtigen Uhrzeiten vorfinden würden, wäre das Anpeilen per Goto nur der konsequente Schritt zum vollständigen Werteverfall.
 
Einen Grund gibt es natürlich: Im Gegensatz zu PC-Programmen funktionieren drehbare Sternkarten ohne Berücksichtigung der Differenz zwischen MEZ/MESZ und Ortszeit. Schon hier in Hamburg ist immer mit 20 Minuten bzw. 1:20 versetzt abzulesen.
 
Hexen können ihre Unschuld vor der Inquisition gar nicht beweisen - auch nicht durch Abschwur von Astrozeigern und leuchtendem Celestron-Pointer-Firlefanz. Der Bund mit dem Teufel wurde schon durch das Gerücht über Pilzgifte hinreichend untermauert. Sollte sie unschuldig auf dem Scheiterhaufen brennen, ist dies bedauerlich, aber der Karkoschka wird ihrer Seele schon gnädig sein.
 
Jetzt kommt sogar Michael aus dem hohen Norden zum ATT. Mein Rückzugsgefecht ist offenbar eine unhaltbare Position. Danke für die Fanpost. Ich bin ja soooo gerührt!! Ich nehme übrigens gerne mit einer vernünftigen Bratwurst (Thüringer oder Krakauer) vorlieb.
 
Meinen Mondfilm habe ich jetzt auch wieder. Tolle Ausbeute!! Ich muß dringend mal wieder etwas von der Leinwand abdigiknipsen.
 
Es liebt Euch innigst: Jochen de Toledobüttel,
Großinquisitor in Sachen Starhopping

(Ab zur Seite.)

Zweiundzwanzigste Szene.

(Auch wenn das eine Chnaps-Zahl ist: Nein, Grossfirstin Walentina hickups T., Sie sind noch nicht dran. Noch lange nicht.)

Die weiße Leinwand, ohne Projektion, bleibt drunten. Grelles Scheinwerferlicht. Bühnenarbeiter tragen einen Tisch und ein paar Stühle herein, weitere fahren ein paar Fernsehkameras dazu.

In moderner Kleidung nehmen SaBiene, ein Monitor mit einer Live-Schaltung von Doña Brigida aus dem Rosengarten sowie die Fee Jola zu einer kleinen Talkshow Platz, mit Herbert, in Anzug und Krawatte, als Moderator. Einer der Kameramänner ist... Andreas. Er richtet sein Objektiv auf SaBiene.

SaBiene:

Ritter Andreas zu Leidenhausen!
 
Ha! Suchet mich nur! Ihr werdet mich nicht finden! Dazu müsset ihr erst durchqueren die reißenden Fluten des Rhin und auch der Mosel, welche ich gut bewacht.
Haltet nur Ausschau nach einem roten Weibe! Vergesst es. Auch sie werdet ihr nicht finden, nur eine blonde Meerjungfrau, die sich beim Untergang Eures Schiffes am Felsen zu St. Goar die blonden Locken kämmen und ein lustig Lied singen wird.

(singt)

"Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass ich so trahaurig bin........"
 
Ha! Ha! Ha!
Klarinetto von der Vogelweide hat mir einen neuen Trank aus dem Musellande zum Geschenk gemacht, dem man magische Kräfte nachsagtet. Mein Vorkoster hat seine Wirkung bestätigt. Fürwahr! Schon jetzt bin ich 10 Lenze jünger und 10 Pfründe leichter geworden.
;o)

[Pfründe? Seelenburgscher Versprecher? (D.Hrsg.)]

Ihr habt nicht die Spur einer Chance.

(Dazu BlueBox-Projektion hinter Herbert, wie hinter einem Nachrichtensprecher)

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SaBiene: (zu Brigida)

Es ist geschehen! Meine Tauben brachten mir eben die Botschaft! Der Großinquisitor ist gegen uns. Welch Natter haben wird an unserer Brust genährt. Auch scheint Prinz John den Ernst der Lage nicht zu begreifen, der Tor. Alt und fett ist er geworden im fernen Britannien. ;o)
Auf dem Scheiterhaufen soll ich brennen! Nicht wenn ich's verhindern mag.
Schon eilt mir ein Heer vom roten Dietrich aus Norden zur Hilfe. Auch könnt ich den Bischof zu Trier von meiner Unschuld überzeugen. Dank dem tollkühnen Klarinetto.
In meiner kristallenen Kugel erscheint ein Bild von einem Manne, dessen Gesicht ich nicht kenne. Es könnt' ein großer Magier sein, vielleicht mächtig an Worten und Herr über die Gedanken der Leut. Könnt Ihr mir sagen wer gemeint? Obacht, die Nebel lichten sich. Er wohnet, denke ich an den südlichen Grenzen des heiligen römischen Reiches deutscher Nationen. Wer mag dieser stolze Kämpe wohl sein? Könnt ihr es mir sagen?
In Sorge...

Herbert:

Werteste Sabine zu Ehrenburg,
 
vermutlich handelt es sich um Don Albireone de Citrone mit seinem Weibe Azura Orangella, herbeieilend, um dem Streite beizuwohnen! Sorget Euch nicht, ihn binden feste verwandtschaftliche Bande an den Euch so wohlgesonnenen Roten Dieterich, den Wüterich!

Brigida:

Holde Schwester, seied gegrüßt!
 
Hochverrat!!! Am eigenen Leibe sollen dem Großinquisitor widerfahren die allerfürchterlichsten Strafen, die er selber sich hatte erdacht für den Herrn Thomas vom Geroldsteine, nun verbündet mit ihm und den grünkühnen Recken in unglückseliger Allianz. Doch fürchtet Euch nicht, edle Maid, denn meine Rache könnte süffiger nicht sein. Ich werde den Großinquisitor locken auf meine Albireo-Burg zu Hispanien und ihm einflößen eine Flasche bestens Weines aus den Rioja-Auen. Und dann flugs eine zweite... vergesset diesen Feind getrost!
Bedenket, dass mich knüpfen zärtliche Bande mit Prinz John im fernen Britannien! Zügelt deshalb Eure scharfe Zunge, wenn Ihr sprechet von meinem Herzallerliebsten, an dem jedes Pfündchen ich so schätze! Seine Armeen bestehen wohl nicht aus wackren Rittern und wagemutigen Bestien... nein, seine Heerscharen sind Abermillionen von grauen Zellen in der Blüte ihres Lebens, die schon gewannen viele Schlachten!
Dennoch beruhigt auch mich, die Rage des roten Dietrich aus dem Norden, dessen Säbel bereits rasseln. Wehe dem freyen Ritter von Leidenhausen, der ungeziemlich sich äußerte über Ihre liebliche Person! Bald wird er wissen, weshalb er trägt seinen Namen!
Auch hoffe ich inbrünstig, dass zur Hilfe uns wird eilen Stephan von Seelenburg aus dem fernen Austria, der in heiliger Allianz mit Herbertus von Huculvi die grühnkühnen Recken in einer Vollmondnacht das Fürchten lehren wird. Besagter König von Seelenburg verfügt über eine neue gar schreckliche Waffe, denn erblicken kann er die ekelhaften Gehirnwindungen seiner Gegner und so wissen ihre widrigsten Gedanken!
Auch sollten wir eiligst rufen Freiherr Bernd von der Ost-Alb zu Ihrem Schutz! Auf seine Loyalität und erfinderischen Geist wir können vertrauen! Und richtet einen Appell an Norbertus von Muckhausen, ein Meister fürwahr in der Kunst der Holzkohle!
Ihr sehet, es ist noch nicht aller Tage Abend und aus dem Scheiterhaufen, auf dem Ihr sollt glühen, wird ein Freudenfeuer, wenn wir verkünden unseren Sieg dem ganzen Albireoreich.
Zu Villa Albireo de la Frontera umarm' ich Euch!

Fee Jola:

Verehrte Brigida von Hispanien,
 
ich, die gute Fee Jola von Nentershausen, muss nun doch langsam meinen Zauberstab hervorholen. Ihr Weiber seid gehässig. Ich werde einen Fluch über euch ergehen lassen, ihr werdet mit der Hunsrückhex verbrannt. Schmoren werdet ihr im Kessel des Teufels. Selbst wenn ihr um Gnade bitten solltet, werde ich kein Erbarmen zeigen. Doch bevor ihr in den Kessel kommt, werdet ihr auf der Albireo-Hofburg mit Rotwein übergossen, damit die Suppe den richtigen Geschmack bekommt. Überlegt es euch nochmal. Die Fee sieht alles und hilft dem grünkühnen Recken.

Drüundtwentickste Szene.

(Die Vorigen. Meister Berthold spaziert herein, mit einem knorrigen Wanderstab, der sich flugs in einen Beobachtungsschemel verwandelt, auf dem er am Tische Platz nimmt.)

Berthold:

Höret und merket auf, welch Lied ich zu singen habe:
 
Weilte ich doch auf der Trutzburg des grünkühnen Recken zu Nentershausen, dieweil Befestigungsarbeiten am Bollwerke ausgeführet wurden. Der muntere Recke Philippus von Königstein weilte auf der Veste, um vermittels eines Spiegels den Mond zu beschauen. Welch Narretei! Hat unser Herr den Mond aufgehangen, damit der Narr den Mond im Spiegel beschauet, der Links und Rechts verdreht? Sprach mit welscher Zunge und nannte das närrische Ritual "först leit"! Unter dem Lichte des Mondes wurde Hand an das Bollwerk gelegt, um die aus dem Norden drohenden Heiden abzuwehren. Doch welch Zauber wider uns geschleudert machte alle Nägel krumm, das Holz morsch und das sorgsam abgemessene geflochtene Eisen zu kurz? Reicht ein Zauber bis in diese Trutzburg, wo doch besagter Pfaff mit Weihrauch jeden Winkel ausgeräuchert und mit geweihtem Wasser besprenget hat?
Nun sind wir aber guten Mutes, denn die gute Fee Jola von Nentershausen hat Ihren Beistand mit großer Zauberkraft zugesagt und wird den Zwist mit Gottes Hülfe beenden.
 
Darauf vertraue ich, Berthold von Sunnaberga,
der den Lauf der Wandelsterne auf ihren Epizyklen gar fleißig studieren und der kristallnen Sphären Umschwung um die festgefügte Erden zu ergründen sich verschrieben hat.

24. Szene.

(Die vorigen. Auf einem laut klappernden Plastik-Kinder-Traktor kommt eine weitere Gestalt auf die Bühne. Dahinter ein Anhänger mit einer ziemlich großen Röhre, daneben ein Mast, von dem ein Windrad baumelt, neben dem ein Gartenschlauch befestigt ist, dessen unteres Ende mit der dicken Röhre verbunden ist. Dahinter ein zweiter Anhänger mit zwei schlanken, parallelen Röhren. Der Fahrer dieses mini-Road-Train trägt ein Stethoskop um den Hals und einen großen, in der Mitte durchbohrten Spiegel auf die Stirn gebunden: der Buschdoktor.

Bernardus:

Horchet auf ihr Hennen und Hähne des Streites!
 
Da der Ehrenstreit nun schon mehrere Monde wäret, ohne dass aine fürnehme, Euch Edlen gebührende weise Lösung gefunden ist, höret meine Vorschlag!
 
Der Alchimist des (gebrauchten) Gebüsches schlägt vor, am Tage des Things in Essenia einen ritterlichen Kampf im Vertilgen von, über vorgeglühten Kohlen aufs ergötzlichste erhitzter, schweinernen Würste. Wer daraus als Sieger hervorgehet, ohne sich wärend des Wettkampfes entgegen den Regeln zu erleichtern, soll die Ehre des Sieges eigen sein. Ob des mir erst seit wenigen Jahre bekannten Teufelsgewächses (Pommus Fritzus), halte ich mich außerhalb der Verhandlungen, da es meiner Zunge meist zuwider!
 
Macht Euch der Tatsache bewusst, dass unser aller Feind gar woanders sich verbirgt, und wohl verborgen den Anstifter unseres Streites mimte. Er ist mir nicht namentlich bekannt, doch seihet auf der Hut, und werdet kein willfährig Spielzeug der Verschwörer! Wer immer diese sind. Mich dünkt nur so, da kein heftiges Verbrechen unter den Parteien wohl begonnen? Nun steht es aber den Streit-Pateien nicht gut zu Gesichte, die vorher in wilder Einigkeit die Wolken verfluchten und vertrieben, ob des Genusses des schönen sternenübersähten Himmelszeltes??.
 
So ist es klar, es muss sein ein Studicus der Sternenkunde weit weg von unseren Landen, der mit dieser List sich Wolken am Himmel spart, da wir sie nicht fürder mehr in Einigkeit von unserem Himmel hinweg vertreiben!
 
Da ist es ein trefflich Geschick , dass nun vor diesem Thing noch ein Konvent der Glashütten bei Fuldä findet statt, wo ich mit meinen Mitstreitern, wie auch die Streitfrau aus den Gefilden, genannt des Hundes Kreuz, und noch der Eine oder Andere der am Händel beteiligten Edlen dort verweilen werden. Seit beruhigt, der Wimpel meines Hauses wird dieses Male stolz am Masten flattern, allen zu Gesichte zu zeigen den Weg. Dort findet Euch ein, es wird Euer Schaden nicht sein, fürwahr! Auch kann geübt werden die Völlerei, die nur leider den Christen ist verboten zur Erbauung. Die Lösung ist einfach, da Ihr doch nur zum Kampf Euch ertüchtigt, kann keiner Argwohn erheben.
 
Der Medicus des Niederen Buschwerkes wird dort nicht müde werden, bei reichlich Schank von meisterlich gebrauten Gerstensäften, den Frieden unter den Recken und Burgfrauen zu erwirken, und die Allianz zu erneuern.
 
So denn gehabt Euch wohl,
der Medicus Buschisimus muss sein goldene Sichel schleifen, ob der Hopfenernete für diesen großen Anlass!

(Mit einer Hand hupend, mit der anderen eine orangene Plastiksichel mit blauem Griff schwingend, pedalt er samt Anhang ab zur Seite.)
(Von der Gegenseite betritt der Seelenburger, den Sessel auf zwei Beinchen hinter sich her scharrend, die Bühne und rückt sich selbigen an den Tisch.)

Vierundzwanzigkommafünfte Szene.

Stephan von Seelenburg:

Alea iacta sunt!
 
Das niederbajuwarisch-österreichisch-ungarische Heer unter hochwohlgeborenem Stephanus von Seelenburg entscheidete nach gewissenhaftem Studium der alten Akten aus hispanischem Archiv sich der historischen Tradition (tu felix Austria nube!) gemäß zur Unterstützung der holden Damen, SaBeugine von Ehrenburg und Doña Brigida von Hispanien, im Ehrenhändel gegen die Beleidigungen des grünen Recken zu Nentershausen und seiner ruchlosen Anhänger!
Stephanus von Seelenburg wird Psy und Psi in die Schlacht werfen, wie SaBeugine es in ihrer Kristallkugel gesehen hat, wird er die Seelenheilkunde paradoxieren, auf dass den Feinden garstige Stimmen und Drachen aus dem Eingebildeten die Sinne verängstigen, hach, den Mond wird er anschwellen lassen auf unermessliche Größe, auf dass sich die Wissenschaften noch in Jahrhunderten an dieser schröcklichen Mondtäuschung verwundern werden...
Ihr heldenhaften Amazonen aus Ehrenburg und Hispanien,
Euer Kampf ist schon so gut wie gewonnen!

Andreas: (verlässt seine Kamera und schlendert heran)

Dunkles Gewölk braut sich zusammen über ganz Germanien.
Auch ich, Andreas, freyer Ritter von Leidenhausen konnte sehen, was die Hex SaBeugine an schwarz Zauberei beherscht.
 
Am Tage der letzten Zusammenkunft der Landesfürsten und Voigte im Lande des grünkühnen Recken verfinsterte sich die immer reine Sonne mit dunklen Flecken.
Kann es seyn ein Zufall, dass SaBeugine just dieser Zeit dem Spektaculum des Festes zu Nentershausen beiwohnte und ihr Antlitz sich nicht schreckhaft verzerrte, beim Anblick der befleckten Sonne. Für wahr, wer selbst der Sonne Licht zu verzaubern vermag, ist der dunklen Macht untertan. Ihr unschuldig wirkend Gemüth vermag Herren und Gefolge zu blenden, ob sie sehen nicht der wahren Natur. War sie es doch, die es verstand, einer ihrer Zauberröhren durch Fette und Öle neuen Halt zu geben.
 
Seyet also auf der Hut und trauet diesem Weibe nicht. Ihr zauberhaft Lächeln, sey die stärkste Kraft um vieler Mannen die Sinne zu rauben.
Mein Knappe gibt kunde von nahenden Händlern, denen Zölle ich erheben muß am Pfade des Handels, auf dass Gelder fließen für Waffe und Ross, zu bekämpfen der dunklen Mächte und Beistand zu leisten dem Recken aus Nentershausen.

Herbert:

Allen abergläubischen Recken und Knappen des grünkühnen Recken zu Nentershausen, seinen Mitstreitern aus anderen Landen, Pfaffen und Zaubergläubigen!
 
Lasset ab von Eurem Irrglauben! Wisset Ihr nicht, dass es Jahrhunderte brauchte zu erkennen die wahre Natur des Universums, wo sich Alles so wunderbar füget ohne des Menschen Wille und Zauber?
Sehet die Sterne des Firmamentes und gebrauchet Euren Kopf und den Verstand darinnen, bevor Ihr eine Befleckung der Sonne als Frevel der Edelfrau Sabine zu Ehrenburg behauptet! Lasset ab von diesem Hexenglauben! So eine Hexe denn auch nur den Theil Ihrer Kräfte gegen Euch schleudern könnte, meinet Ihr nicht, sie würde es tun auf dem Scheiterhaufen und Euch hinwegfegen vom Antlitz dieser Erde, bevor sie ihre Seele aushauchte?
 
Lasset uns zurückkehren zum friedlichen Werke, das wir gewisslich nicht vollenden werden im Streite!
 
So mein moderates Schlusswort: Herbertus von Huculvi, einig im Geiste mit allen edlen Mitstreitern der gerechten Sache!
Im Anschluss sehen Sie den Wetterbericht!

(Alle erheben sich ohne Eile, plaudern noch ein paar Worte, räumen die Vorderbühne. Der Monitor mit der Liveschaltung aus dem Rosengarten erlischt, nach ihm auch die Scheinwerfer. Die weiße Leinwand hebt sich rasch.

25. Szene

Die Ems-Marschen, wie zuvor.

Dietrich, mit Helm, die Streitaxt in der Rechten.

Dietrich:

Doña Brigida un SaBeugine von Ehrenburg!
 
Odin is uns wohlgesonn, sin Atem leytet uns Richtung Lothringn im Nord.
Dort sin fünfzen Drachenboot mit tweedusend holdn Normanne gelandt.
Panik herrscht jetzt in Holland in brabantischen Gefildn.
En Sturm Odins un Donner vun Thor sin Hammer un Blitz bricht uver Nordlothringns hinien.
 
Ich bin sit gestern ufn Wech nach Lothringn mit iner Armada von drißig Drachenboot mit dridusend wackrn Vikingslüt.
Di erstn Gefangn wurdn schon gemackt, de Exorcist, de am ziuavend Fenris wohl schmeckn wuerd.
Kien Normanne lüsst sich befehln, wen sin Wohlgesonn gildn, uch vun Andreas von Leidenshusen nit. Missionars im Nord de Emslande werdn us dem Lande jagt, wen di Drohng de Bischofs nit verflüge wi den Winden.
Hoch erfreuet mich, Dietrich dem Roten vom Nord des Emslandes, di Ufmachn Stephan von Seelenburgs gegn Bischofs Gefolge. Geminsam wutt wi de Priestgesindl us dem Hunsrück verjage.
Dan werdn wi mit Doña Brigida un Sabeugine krüftich fian uf de Siech mit Full fun Met.
 
Ihr Kirchensgeleut, zittert, wenn de Erd beben dut, di Normanne ziegt üch, wen ihr zu fürchtn häbt!

(Donnergrollen. Vorhang.)
 

(Dram.Pers.|Inh.|1.Aufz.|2.Aufz.|3.Aufz.|4.Aufz.|5.Aufz.)

Nein, wir können jetzt nicht schon wieder eine Pause machen.

Fünfter Aufzug

Sechsundzwanzigste Szene.

Weiße Leinwand. Filmmusik. IMAX-Projektion, mit allen Tricks der Filmkunst.

Geisterhafte Erscheinung von Doña Brigida und Fee Jola.

Brigida:

Werteste Fee Jola von Nentershausen!
 
Das seid nicht Ihr, die da sprechet! Schenket keinen Glauben den Worten des Recken von Nentershausen, Eurem Gemahl, und seinem willigen Vasallen dem freyen Ritter von Leidenhausen.
Ich flehe Euch an! Kommet zurück auf den Pfad der Tugenden und des Lichtes! Lasset Euch befreien von den Divisionen Dietrichs des Roten, denn fürwahr könnte ich ein gutes Wort bei ihm einlegen für Euch! Suchet Zuflucht im Reich des Medicus Buschisimus oder in den Ländereien des Herbertus von Huculvi. Und glaubet an die Unschuld meiner lieblichen Schwester SaBeugine zu Ehrenburg, die den Besen nur schwang, um vom Pöbel zu befreien ihre Kemenate.
Bitte verbrennet dieses Schreiben, wenn es Euch beliebt seine Lektüre zu beenden. Denn soll es nicht fallen in die Hände dieser grünkühnen Ritter, da ich fürchte um Euer Wohl! Und erschrecket nicht, wenn bei nächstem Vollmond sie alle werden befallen von gar fürchterlichen Stimmen. Der große Stephanus von Seelenburg trat ein in den Kampf!
 
Die Vernunft wird siegen, seid Euch gewiss!

(Schnitt, Fee Jola ausgeblendet. Einblendung: SaBienes Gesicht. Die Haarfarbe durchläuft unterdessen das gesamte Spektrum von Violett über blau, grün, gelb, orange bis tiefrot und wieder zurück.)

SaBiene:

Doña Brigida von Hispanien!
 
Vor den Kämpen hab ich keine Furcht. Es wird ein Leichtes sein, sie zu besiegen. Nur betrübt es mich zu erkennen, dass die gute Fee vergrämt ist. Nichts wird gewaltiger sein als der Zorn der mächtgen Fee. Obwohl sie vom Recken zu Nentershausen beeinflusst, möcht ich es nicht mit ihr verscherzen.
Derweil gibt's üble Nachred vom Ritter zu Leidenhausen. Er sagt gesehn zu haben, dass sich die Sonn verfinstert hat bei meinem Verweil zu Nentershausen. Wo alles sich hat gefürcht, soll ich ein freudig Gesicht gemacht haben. Das ist fürwahr die Unwahrheit.
Verdunkelt wurd die Sonn vom Ritter selbst, der wahrlich groß an Gestalt. Gelächelt hab ich nur beim Aufgang des stolzen Mondes welchen ich beidäugig durch ein magisches Instrument bewundert hab, das mein tapfrer Spion vom fernen Bayern zur Kurzweil mitgebracht.
 
Soll ich den Vorschlag vom großen Medikus annehmen und somit Frieden schließen?
Oder gehn wir der Gefahr entgegen und verscherzen es mit der guten Fee?

(Gesicht ausblenden, für kurze Zeit schwebt die Ehrenburg über die Leinwand.)

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(Schnitt, Brigida und SaBiene erscheinen im Bild.)

Brigida:

Werteste Schwester SaBeugine zu Ehrenburg!
 
Unsere Brieftauben kreuzten sich auf ihrem weiten Flug!
Amalia von Villa Albireo, das schnellste Täubchen, das ich nenne mein eigen, machte sich auf den Weg zur guten Fee von Nentershausen.
Harren wir der Dinge, die da kommen! Zu groß ist der Affront, als dass wir könnten strecken die Waffen, liebe Schwester!

SaBiene:

So soll es sein!

(Kurz abblenden, Schnitt. Langschiff auf dem Rhein unter Segel, stolzer behelmter Wikinger steht auf Schild und Axt gelehnt am Drachen: Thidrek/Dietrich. Er stößt in ein großes Stierhorn.)

Dietrich: (mit kräftiger Stimme)

Fee Jola von Nentershausen,
 
Ihr seyt es, die wurd verhexet vünn euhren ign Gemahl. De Schwatte Ritter vünn Lidenshüsen is di, di den Unfried stift. Wünn ihr nit abschwürt von euhrem Lästerien gegn hold Sabeugine, di Macht Odins würd euch verbrenne im Sturm de Vikingsleut. Im Nordlothringn di Normanne wütn gegn all de Priestgesindl, di im Gefolg Bischofs gegn Valhall und Odin hetzn tut. Angst un Schreck verbriet sich schnüll im Land Lothringn Nord un nicht lang, wi sin im Hunsrück.
 
Andreas vünn Lidenshüsen, ach euch kümm di Angst üver euch, wenn de Normannes Herschare gegn Bischof un de grüne Recke vünn Nentershausen zu Feld ziehth.
 
Sabeugine, wi frue ich mich, wen wi us widersiehn un geminsam mit Stephanus vünn Seelenburg un Dona Brigida Met drünkn un Wiltbreth frätten.
Ziuavend würd ich im Nordlothringn inmarschiern un den witer süd im Hunsrück dat olle Priestgesindl uverrenne mith Feuer un Schwert.

 
> "Harren wir der Dinge, die da kommen! Zu groß ist der Affront, als dass wir könnten
> strecken die Waffen, liebe Schwester!"
 
Dat brücht ihr euch nit, denn de wütn Dietrich is im Anmarsch.
 
Herbertus von Huculvi, ni wünn di Normanne de Schwert streckn gegn dat Gesocks vünn grün Nentershausen un sin Lakey Andreas vünn Lidenhüsen. Wi häbt lang angesehn mit, wi de Priest us wunnt bekehr gegn Valhall. Nun kümm de Rach Stund.
Wünn wi nit jetz uffrüme mit den Gebälk von Priest, den is Valhall verlore. Wi lütt us nit vertell, wen wi us Gluvje haebt. Wünn wi Odin un Thor afschwüre, de Nordmannes Macht is verlüre.
 
Oh Odin, oh Thor, giv us Kraft gegn die Finde Valhalls. Stärk min Arm un min Axt, Thidreks des Rotn vom Nord des Emslandes.

(Abblenden, Schnitt/Projektor aus.)

27. Szene.

Vor der Leinwand.

Ein römischer (ex-)Legionär tritt von der Seite auf. Unrasiert, Helm angerostet, die Sandalen haben auch schon bessere Tage gesehen. Statt des Pilum trägt er einen Rechen, statt des Schildes eine Gießkanne.

Marc:

Edle Fräulein, tapfre Ritter,
 
ein winzig Täublein, kaum amselgroß, bracht mir betrüblich Botschaft von einem verschreckten Kinde. Ob denn die "ganze Welt vellückt gewolden sey? Gal fülchtelbales Kriegsgeschley eltönet allübelall." So vertrauete das arme Ding sich mir an. Sogleich befragte ich meinen treuen Arthurus, dem die Zeit, wie Ihr wohl wisset, kein Hindernis, was er vom Ausgang dieser Fehde zu berichten wüßt. Und folgendes konnt ich beruhigend dem Kinde versichern:
 
Die Heere standen einander gegenüber, bewaffenet mit allerley Eisen und Gift und List und Zauberey, ein jeder nach seiner Art. Und wie das Gemetzel wohl eben anheben wollt, da wankete ein Fräulein auf das Schlachtfeld, singend eine Liebesweis einem theutschen Weine (?!?). "Hinfort, Weib!" brüllte der grünkühne Recke, doch statt zu weichen, verbreitet sie ein "Wesserchen aus meiner hickups! chenen Heimat". Dieses Wässerchen des Fräuleins, das später uns vorgestellt wurde als Walentina Hickupsowa aus dem Zarenreiche, muss wohl von magischer Herkunft seyn! Wie sonst sollt sich erklären, dass das Feld bald erzitterte, doch nicht von Schlachtgetümmel, sondern von herzhaftestem Gelächter. Thors Hammer wurde herumgereicht und verworfen, da auch er die verzauberten Nägel nicht ins Holz zu schlagen vermochte. Die Flecken auf dem Antlitze der ewig-reinen Sonnen wurden für zu klein befunden; größre versucht man zu beschwören, auf daß sie den nächtlichen Himmel erleuchten mögen. Die Sternlein, die am Firmamente prangen, wurden vom Zaubertranke verdoppelet und vervierfachet. Letztlich, Ihr Edlen, wurde der Bund unter dem orange-blauen Banner aufs neu geeinet und gefestiget!
 
Dies konnte dem armen Kinde berichten
Marcus von dem Saalestrand!

(Geht zur Seite und (Pantomime) widmet sich seinen Bohnen-Beeten.)

28. Szene.

(IMAX-Projektor ein. Brigida erscheint auf der Leinwand. Vor der Leinwand, nur von einem Spotlight angestrahlt, Ritter Andreas mit seinem Steckenpferd. Beide sprechen gleichzeitig.)

Brigida: (zu Marc gewendet)

Werter Marcus vom hellen Saalestrande!
 
Tief bewegt hörten Sterntalerchen und ich soeben Ihre frohe Kunde! Welch heitere Zukunft erwartet uns im Albireoreich, wenn vorbei sind Kriege und Wirren!!!
Doch sieht die Gegenwart noch zappenduster aus, denn ein neuer Affront tat sich heute zu. Prinz John aus dem fernen Britannien beschimpfte meine Walentina auf übelste Weise. Nannte er sie doch recht heraus eine "Schlampe", nur weil ich klagte ihm mein Leid, dass die Gute sich weigere auf Galaxienjagd zu gehen. Er, der täglich Wölfe jagt, kein Verständnis zeigt für die Schwächen meiner Kleinen. Um ihn abzulenken von seinem Groll, geschickt ich ihn verwickelte in ein Gespräch über Planetenmonde. Ooooh, Grundgütiger, welch eine Schande, denn der Affront sich nun richtete gegen meine Person, wollte er doch von mir wissen, wie viele Monde die Göttin Venus habe....
 
Vernehmet Ihr das Donnergrollen?! Es sind die Bewohner von Villa Albireo de la Frontera, die nicht eher ruhen werden, bis wir haben verbannt Prinz John bis hoch ins nordische schottische Reich!
 
Zu Villa Albireo de la Frontera, Anno xxii
Brigida von Hispanien, die mit der fehlenden Spucke!

Andreas: (zugleich)

Weise Fee von Nentershausen!
 
Erfreuet über den Beistand im Kampfe gegen die Hunsrückhex und rotem Dietrich wage ich Mut zu schöpfen in Hoffnung auf Tage des Friedens.
Seyet meiner Hülfe Gewiss und entbietet dem grünkühnen Recken zu Nentershausen aufmunternde Grüße, auf das er sich nicht vor den Hexetaten fürchte, denn die Scharen des roten Dietrich erfahren im Rheyn bei Cöln die Macht des Ritters von Leidenhausen. Nicht eine Dschunke wird erreichen das Ufer der Lahn.
 
Aber erstmals kamen mir Worte der SaBeugine zu Ohren, in derer sie an Frieden denket. Hat der große Medicus ein Mittel wirken lassen?
Schade wärs, sollte Sabeugine nicht gerettet werden von Teufelshand und den Tod einer Hexe sterben. Denn für wahr, entsage sie der Hexerei, ein holder Fürst würde sich rühmen, sie zu nennen sein Weibe.
 
Die Zuversicht sei unser Freund!

(Marc nach links, Andreas nach rechts ab, Projektor aus. Leinwand hoch, Bühne frei.)

29. Szene.

Rheinufer, ein ganzes Stück südlich von Köln, an einem etwas heruntergekommenen Fähr-Anlegesteg hat das Langschiff festgemacht. Wegen dichten NRW-Nebels ist es offenbar unter den Kölner Brücken durchgefahren, ohne die Stadt auch nur zu bemerken.

Improvisiertes Lager etwas höher am Ufer. Einige Wikinger fällen Bäume und hauen sie zu Palisaden zurecht, andere bessern Schilde und Schiff aus.

Dietrich: (ruft in die Kulisse nach rechts)

Andreas, Ritter vonn Lidenshausen,
 
Aha, für Fried seyt ihr, ün Trick vunn ine finstre Gestalt. Ünn holden Fürst, harhar. Use Herschare sin oven bin Lothringn Nord im Brabant gelandt. Tweedüsend Man wild von Vikingslüt un wütn tun wi in de Nordlothringn, de Exorcist haben wi noch nich, aver bald, diessen Spion kriejen wi. Im Nord des Emslandes de Priestgesindl sin nich mer sicher vor use Wut.
Bekehre wunn se us, afsache sölnn wi vonn, wi sech se Avergluwe. Oh nee, min liewer, so nich. Je mehr trieb ihr un falschs Spiel, je mehr wütn wi. Un Straf für de Spion haw wi uch schon, de Exorcist soll de Wolfes vonn Odin, Geri un Freki, vorgeworfe wern. Un Kampf mith sin Got gen use Höllenhunds.
Andreas, Ritter vonn Lidenshausen, ihr künnt nich wisse, wat fürn Macht wi häb, ganz Emsland un de hohe Nord stunn unner use Herschaf. Min Vorfahr senn Erik de Rote un Leif Erikson, tapfre Vikingsleut. Ziaavend, wenn ich da bin in Lothringn Nord, wird zum Kampf geblas mith Odin in Rücken wern wi siech un mith Stephanus vonn Seelenburg vom Süd is de Schutz vonn SaBeugine gewiss.
Min vorhut säch, dat Scharen vonn Priestgesindl fliehn gen Cöln us Angst unn Bang für de wild Normanne. Ganz Lothringnord brennt, fleihn solang ihr euch könnt. Wenn wi am Rhin sin, Feuer un Sturm kömm over euch. Oh Odin, wi lang sull de Frevel vonn de Kirchensgeleut noch dauern, giv us Kraft für di Schlacht am Rhin, Valhall wart.

[Sübüne an Rührspecht: Hülfe, ich hübe mür düs Gehürn verüt. (Anm.d.Runendechiffreuse)]

Dietrich: (nun nach links gewendet, diagonal über den Rhein rufend)

Doña Brigida von Hispanien,
 
Use Hand habt ihr gewiss gen Prinz John.
 
Arm Walentina beschimpfe, use eng Verbund us de Warägerlande, trinkfreudig in mine Sinne mith Met. Häb all gen us verschworn. Ich denk, de grüne vonn Nentershausen un sin Gesocks is de Urvadder vonn den Unfried. Ers Sabeugine, nun euch. Aver kien Bang, de Vikingsleut stoan mith euch im Kampfe gen de Priestgesindl. Ich denk, Prinz John wunn dat utnütze, wenn ich im Huensrück bin, unn Kreuzzug gen Nord, awer mine Leut von Danmark mith sin Normanne wart uff ien Gelegnhiet vonn Prinz John, wenn er wird fahrn gen Nord, um gen Angeland tu fahrn mit un huff von wild Vikingsleut.

(Bühne halb dunkel, Spotlight in Proszeniumsloge, auf den sich vom Sessel erhebenden Seelenburger.)

Stephan von Seelenburg: (nimmt die Brille ab und ruft)

Liebste Brigida von Hispanien und Sabeugine zu Ehrenburg,
 
Euer Sieg zeichnet sich bereits ab!
Prinz John zu Durham wurde durch Psi bereits ausgeschaltet!
"The following had fatal errors -
Pe Er I En Ce E Punkt Jot Oh Ha En Klammeraffe Durham dot Castle!"
 
Freuet Euch!

(Spot off.)

30. Szene

(Rohrspecht rennt mit wehendem Tarnmantel quer über die vordere Bühne.)

Spechtus de Rohrus: (halb über die Schulter, ins Publikum)

Ha! Ihr seid entlarvt!
Hu! Humbug! Alles Lug, Unfug und Betrug!
 
Da wollt Ihr uns weismachen, dass Ihr wegen eines lumpigen Fünftelzolles in einen Streit auf Lanzenspitzen, Brustpanzernieten, Armschienengelenkleder und Visierfett verwickelt seyet...... dabei ist die unglaubliche reine unverfälschte Wahrheit die, dass das holde Edelfrollein SaBeugine von Ehrenburg und der grünkühne Recke - unter einer Decke stecken!
 
Uns liegt ein Beweisfoto vor! Lesen Sie mehr auf beta-cygni.org...!
 
Exklusiv! Der Pfalzgraf von S.I.R.E. hat die beiden angestiftet - alles war nur ein Werbegag für Gerolsteiner!!!!!!
 
Vorsicht Kamera!
Was wärt Ihr ohne Rohrspecht, Euren Rasenden Reporter!

(Schnell ab.)

Einunddreißigste Szene.

Vorderer Bühnenteil mit dem Wikinger-Zwischenlager ziemlich dunkel. Gaze-Schleier, der den Bühnenhintergrund verdeckt hatte, wird transparent. Im Scheinwerferlicht die Turmspitzen des Kölner Doms.

Zwei Kämpfer haben sich dort hoch droben postiert und drohen den Beleuchtern mit ihrer riesigen, gefährlichen Waffe: der Heiligen Hand-GRANATE.

(Scheinwerfer hinter dem Gaze-Vorhang aus.)

32. Szene.

[Nächster Stern, Antares, oder Ultima-tiv? (Anm.d.Kritikers)]

Wikinger-Lager wieder im Licht.

Vier weiße Raben landen in Trapez-Formation und bringen Nachrichten.

Erster Rabe:

Ehrenwerter Dietrich den man den Roten vom Emsland nennt!
 
Mit Freuden vernahm ich die Botschaft, dass die ersten Drachenbote auf dem Rhin von meinen Kundschaftern gesichtet wurden. Wie ich hörte, habt ihr Leidenhausen dem Erdboden gleich gemacht. Wotan und der wilde Loki singen Lobhymnen ob eurem Sieg und Vallhalla bebet durch die Kraft ihrer Stimmen.
 
Kommet nun zu mir. Ich erwarte euch in meiner Kemenate auf der Burg Rheinfels.
<{:o)
Dort werden wir unser weitres Vorgehen besprechen. Zuvorderst lasse ich euren Truppen die Ohren mit Wachs verschließen, damit sie ungehindert ihre Reise auf dem Rhin fortsetzen können. Vorbei an dem Felsen, wo der grünkühne Recke die Liebliche Fee Jola ausgesetzt, um eure stolzen Drachenbote zu versenken.
 
Von dort werdet ihr den Weg zum mächtigen Medicus Buschisimus nehmen welcher Euch und eure Truppen mit Wegzehrung versorgt. Übergebt ihm dieses Schreiben.

Zweiter Rabe: (liest ein kleines Pergament vor)

"Großer Medicus Buschisimus!
 
Der Name Hunsrück stammet nicht vom Worte Hund, dem treuen Gesellen des Menschen ab. Nein! Weit gefehlt! Es handelt sich hierbei um eines mächtgen Volkes Namen, dass einst auf den Höhen zwischen Rhin und Mosel das Fleisch der Wehrschafe zwischen dem Sattel und ihrer vortrefflichen Pferde zart ritt. Damit man es genießen könne. Ja Ihr habt richtig gehört. Ich mein' die Hunnen, von deren Blute reichlich in meinen Adern fließet.
 
Untertänigst
SaBeugine zur Ehrenburg"

Dritter Rabe:

Den Weg dorthin hat mein wackrer Spion gezeichnet, als er kürzlich in dieser Gegend weilte. Ihr erkennet den Weg an dem fehlenden Glas in den Fenstern der stolzen Kirchen und Wirtshäuser. Beim Medicus Buschisimus werden sich Eure Truppen mit den Truppen des Stephanus von Seelenburg vereinigen. Seine Heerschar ist klein doch selbst ist er Mächtig in Wort und Gedanken. Sodann ist alles bereit für die gloreiche Schlacht. Gemeinsam werden wir reiten zu den Toren der Feste zu Nentershausen, die Schafwehren schleifen, die Bestien erschlagen und Fee Jola aus den Fängen des Recken entreißen. Zum Lohne verspreche ich euch die Hand der anmutigen Jola.
 
Ist dieses vollbracht, müssen wir uns gen Norden wenden und die Schmach von Prinz John an meiner geliebten Schwester Doña Brigida rächen. Dazu werden wir an der Porta Westfalica auf Herbertus von Huculvi treffen und ihn beim Kampfe gegen die römischen Störer unterstützen, auf dass er uns für den großen Feldzug nach Britannien begleiten möge. Auf dem Wege zum großen Meer werden wir unweigerlich auf den uns nicht wohl gesonnenen Großinquisitor treffen. Wir werden ihm den Karkoschka entreißen und ihn mit dem Stoyan erschlagen.

Vierter Rabe:

In Britannien angekommen, werden wir Prinz John im Schlafe überrasche. Es wird ein Leichtes sein, ihn zu besiegen. Denn gewiss glaubt er sich in Sicherheit und wird uns nicht erwarten.
 
Unser Rückzug wird uns an der stolzen Burg S.I.R.E. vorbeiführen, die wir brandschatzen werden, damit unsrer Truppen Moral erhalten bleibet.
Ich sah in meiner Kugel, dass der König vergaß, das Dach seiner Burg vollständig zu verschließen. Unsre glühenden Steinschleudern werden einen schnellen Sieg bringen.

Erster Rabe:

Der Winter in Hispanien wird voller Freuden sein. Ihr dürft Doña Brigida von Hispanien höchstselbst die Pechhaut zu Füßen legen, die Prinz John für sie gegossen.

Alle vier Raben:

"Mit pochendem Herzen Eure
SaBeugine zur Ehrenburg
[das Wetter ist echt schlecht hier]"

(Die Raben verbeugen sich artig vor Thidrek.)

Thidrek/Dietrich: (diktiert ihnen)

Holde Sabeugine zur Ehrenburg,
 
Ziuavend min Armada is ankümm in Lothringn Nord mit dridusend Nomannes. Lidenshausen Gesocks is enn Hufen vonn fige Bande, di us awlüvern dät, awer wi worn een bittchen schluer.
Lidenshausen Vorhut vonn Ritters un Priestgesindl is uff de Flucht vor use wild Vikingsleut.
 
Moin ziehn wi gen Lothringn Süd nach Cöln, em de laters Rittersgefolg vonn Lidenshausen tu zerschlagn.
Wat hi nit wees is, dat een witere Armee vonn Vikingsleut vonn fifdusend Normanne vonn Nord Emslandes gen Ruhr un Rhin vorrückn. So wudd wi de Lidenshause Gesocks inkesseln.
 
Kin Bang, gegn dat Hexenwiew vonn de Lorely wesst wi Bescheed. Nach de Siech in Cöln wudd wi witer vorückn gen Hunsrück, wo wi us treffn in Eur Kemenate.
 
Dan bi en Buddel Met werdn wi de witere Vorgehn plan. Hoch erfreuet mi een Begegn mit de ehrenwert Medicus. Dann wudd wi de Kampf gegn de Recke vonn Nentershausen un sin Gesocks uffnehmn.
 
Dat andre, da mutt wi noch drüver proten, da Prinz John een Verwandter von mi is (oak een Normanne). Awer wen hi habt begann Frewel gen euch un de holde Brigida, hi mutt büßn.

(Die vier weißen Raben schwingen sich in die Lüfte. Zwei rosenrote lassen sich nieder. Eigentlich sind es Rotkehlchen, aber Thidrek kennt aus seiner Heimat nur Raben und hält auch diese für solche.)

Erstes Rotkehlchen:

"Hochwohlgeschätzter Dietrich, der Rote!
 
Ich flehe Euch um Beistand an,
Sie wagehalsiger und mutiger Mann!
Vergesset Eure Familienbande,
die Euch verbinden mit Prinz John im engen Lande!
Nur Euch und Euren Truppen kann es gelingen,
mir mein Seelenheil und meine Ehre wiederzubringen.
Wollte Prinz John doch gestern wissen
  die Anzahl der Venusmonde von mir,
ich wusste nicht, sind es drei oder gar vier...
Doch damit nicht genug,
denn er beschuldigte Großfürstin Walentina
 &nbps;zu leben im ewigen Betrug!
Lasset ihn bitte spüren Eure starke Hand
und vertreibet ihn ins finstere schottische Land!
Seine Burg soll für mich und meine geliebte Schwester,
  die edle SaBeugine sein,
wo wir als die fröhlichen Weiber von Windsor
  werden ziehen lachend ein!
 
Nehmet Rache!!!! Ich bitte Euch!!!
Brigida von Hispanien zu Villa Albireo de la Frontera"

Zweites Rotkehlchen:

"Was zum Teufel ist gefahren
in Rohrus Spechtus, den Bavaren?
Welche Beweise gegen Euch er hält in der Hand,
die er angeblich unter einer Decke fand?!
Mich dünkt, dass es Intrigen des Herrn Thomas von Gerolstein sind
und Ihr tapptet in seine Falle, Ihr armes, edles, unschuldiges Kind!
 
Es umarmet Euch
Brigida von Hispanien"
 
....Ach so, das war ja gar nicht für Dietrich. Das war für SaBeugine.

(Zweites Rotkehlchen fliegt nach Süden fort.)

Dietrich: (zum ersten rosenroten Raben)

Doña Brigida von Hispanien!
 
Watt für Intrign herscht da in de gegn vonn Hunsrück? Wat für een Bewis is datt, wat de Rohrus Spechtus us zeegen wudd? Ich denk, datt is een falsch Speel, watt de olle Gesocks vonn de Recke trieb. Thomas vonn Gerolsteen is oak dabie.
Wart, die Vikingsluet kömm un rüm uff mit datt Luch un Truch Gesindl.
Watt Prinz John angeht, so habt hi sich schändlich benomm. Een Beileidign gen Großfürstin Walentina us dem Warägerland koan ich nit hinnehm. Ich denk, datt Priestgesindl datt Saachen hat in Angeland un den Prinz beinflüssn tät. Dit falschn Fiftiger sitt overall, oak in Angeland, awer nack de Siech gen Recke un Priestgesindl im Hunsrück fahrn di Drachenboot gen Angeland un vetreew dit Gesindl us dem Lande. Holde Brigida, keen Bang, ich wudd den Prinz widder uff de richtich Weech führn.

(Erstes Rotkehlchen ab nach Südwesten. Doch da es elektronisch reist, ist es schon nach wenigen Augenblicken zurück.)

Erstes Rotkehlchen:

"Werter Herr Dietrich vom Nord des Emslandes!
 
Auf allen hispanischen Burgen werden besungen Ihre edlen Taten und Ihre Siege. Freude über Freude, der grühnkühne Recke und seine Vasallen scheinen besiegt, so dass Ihr bald werdet nehmen können zum Weib die holde Fee von Nentershausen, die Euch ward versprochen von meiner lieben Schwester SaBeugine.
 
Doch nehmet Euch in acht vor Prinz John und wieget Euch nicht in Sicherheit, denn gestern er mir verkündete, dass er aufnehmen wolle den fürchterlichen Kampf zu später Abendstund. Soll ich in ein Kloster mich verflüchten? Der Walentina-Orden sich meiner würde erbarmen!
 
Bedenket auch, dass stille Wasser tief sind! Mich beunruhigt, kein Donnergrollen des Großinquistors zu vernehmen, der vielleicht versteckt Ihnen auflauert!
 
Eurem Schutze empfehle ich mich
Brigida von Hispanien"

Dietrich:

Veehrte Doña Brigida von Hispanien!
 
Wi kümm voran, datt Wedder is us wohlgesohn, Sturm un Reegn, un Wedder, watt wi gewohn sin, awer nit de Recke vonn Nentershausen un sin Geseocks. Si flüchtn gen Süd un wi sin moin odr ierwermoin im Hunsrück. Wi wudd us verien mith de Armada Normannes vonn Ruhr.
Awer wi mutt uffpattn, de Reckes sin verschlagn un griew us een paar mal us de Hinterhalt an, awer keen Bang, em Kampf Mann gegn Mann ziht hi den Kürzern.
 
Hmm, Prinz John, habt sich uff de sit vonn de Priestgesindl verschlagn un Verrat an de nordischn Gluewn begangn. Datt hab ich ni denk, datt hi datt maakt.
Wenn Prinz John denk, datt stolz Normanne sich datt gefalln lasst, dann werd hi sich wunder, watt wi maakt gen Angeland.
Prinz John, warum habt Ihr datt maakt? Warum habt Ihr Euch mit datt Priestgesindl verbündt? In Euhrem Blut fließt normannes Blut, verbünd mith Odin. Glüw Ihr, datt Ihr dan mith Euhrem Verrat nach Valhall inziehn könnt. Nee, nee, nee, laat aff vonn datt un bitt Odin um Vergebn un vertriew dat Priestgesocks us Euhrem Lande.
 
Holde Brigida, geht in datt Kloster, wenn es Euch wohlgesonn siehn un wart aff. Watt dit Großinquisitor angeht, keen Bang, use strafn für Verrat sin grusamr as all strafn vonn de Priestgesindl. Wenn di Fieglin sich versteckt, di wild Normannes wudd hi uffspürn un Odins Wolfen zum fraß vorwerfn.

(Leinwand wird herabgelassen. Dietrich bleibt dabei auf der Vorderbühne stehen, also sichtbar.)

33. Szene.

[Nein, Walentina, *noch* nicht.]

Vor der Leinwand.

Dietrich steht zur Linken, breitbeinig, mit verschränkten Armen, ins Publikum blickend.
Von rechts kommen der grünkühne Stephan und die Fee Jola herein, beide in weißer Kampfsport-Kleidung und barfuß; sie wenden sich ebenfalls zum Publikum.

Stephan:

Horcht auf, ihr treuen Gefährten in diesem Kampf!
 
Frohe Kunde endlich zu mir drang:
 
S'ist alles Lug und Trug und gar nit war, kein Wikinghorde im Lande weylet! Gar schrecklich ham se Hau bekomm zu Cöln! Herr Andreas war's, der freye Ritter, der die Unhold warf zurück. Nur eine handvoll Drachenboot konnt ihm entkommen. Doch in Coblenz an der Feste auf dem breiten Stein, auch dieser letzte Vorstoß ward gebannt. In Gefangenschaft sich der rote Dietrich nun befind und dem König Tom wird vorgeführt zum Treueschwur.

(Dietrich, sichtlich nicht in Ketten, dreht nur gaaanz langsam den Kopf zu Stephan und der Fee und zieht ebenso langsam eine seiner mächtigen Augenbrauen in die Höhe.)

Stephan:

Die Hex und ihre elend Bande soll heil froh sein, dass ihr selbst noch nix geschehn. Die gute Fee zum Kampf zu fordern, welch törichter Gedanke!!! Sie allein hätt schon genügt, mit ihrer meisterlichen Kampfkraft wunderbar. Doch ist sie freundlich, lieb und wohlgesonnen; will einen, was sich hier entzweit.
 
Ich selbst ward schon bereit zum Frieden, doch kanns nitt seyn, dass ich es bin, der da drum bitt! Bin schließlich doch ich gefordert von des Hunsrücks Hex'! Doch will ich's wagen, ihr töricht Tun nitt ihrer selbst, sondern dem Teufel zuzuschreiben. Die Hexenprob' soll sie bestehn, am Hofe Toms.
 
S'gibt ein Mittleyn neuerdings, ein Trunk aus fernen Landen. Von den gefangnen Wikingern ich hört, Amerika soll's heißen. In dessen südlichen Gefilden ein Böhnlein wächst gar schön. Man soll es feyn zerreiben und mit brühend Wasser überschüttn. Ein höllisch schwarz Gebräu entsteht, dampfend wie des Hades Fluss und von eklem, bitterem Geschmacke.
 
Gebet der Hex davon zu trinken, fünf Humpen muss sie leyden! Sollt sie's überstehn, zur Verwunderung uns aller, ohne sich gleich im Gebüsche zu verstecken, getrieben von des Trunkes Kraft, so will ich's glauben, dass nitt sie selbst es war, die mich gefordert. Die Hand zum Frieden ich ihr reiche und Eintracht soll herrschen im orangeblauen Lande.

(Das erste Rotkehlchen setzt sich auf Dieters rechte Schulter, aus Sicht des Publikums also zur Linken. Er wendet ihm den Kopf zu, also von Stephan und der Fee fort.)

Dietrich: (halblaut und sehr süffisant)

Harhar, Doña Brigida, watt für ien Lug un Truch hi, Stephan tu Nentershausen wudd Euch vertelln, die Vvikingsleut verjach, Dietrich gefangn, harhar.
 
Mi betrüb, mith welch Trick datt Priestgesindl di mienun dutt Volkes beinfluss tät.
Datt is dat Proatn vonn dat Kirchngesocks, use Truppn solln gejangn woorn. Wi den, wenn wi noch gar nich ankemme sin tu Cöln, sondern uff Marsch sin gen Lothringn Süd, em us tu verien mith de Trupp vonn Normannes vonn Ruhr. Kien Normanne wudd sich gefangennoahm, iher wudd wi starvn, em inzugiehn nach Valhall.

(nun zu Stephan)

Welch Spion, Stephan zu Nentershausen, hät euch datt verrattn mit dat Böhnlin?
Hi wudd den Wolfn Odins tum Fraß vorwerfn daonn.
 
Awer jetzt wi wütn woorn, jetzt riech us, jetz kömm de Sturm un Feuer vonn Odin over euch.
 
Also, fakt is, immer weer würn wi us dem Hinterhalth vonn de Ritters vonn Lidenshausen angegriffn, awer wi sin nich fieg, sondern kämpf Mann gegn Mann un triew se inne Flucht. So dürt it een bittchen, bit wi em Hunsrück sin, awer keen Bang, wi kömm un befrien de hold Sabeugine vonn Ehrenburg.

Fee Jola: (zieht einen kleinen (Parabol-)Spiegel aus den Falten ihres Gewandes, haucht ihn an, und spricht dann hinein)

Verehrte Sabeugine zur Ehrenburg,
 
welch Gesindel Ihr nun seid: mich als treues Weib des Recken Stephan zu Nentershausen, die schon seit einigen Jahren ihm zu Dienste steht, beabsichtigt Ihr an einen fremden Ritter zu verkaufen. Allerdings habt Ihr den Preis nicht dafür genannt. Eine Mitgift kann ich leider nicht mitbringen. Was soll dann aus dem kühnen Recken werden, bekommt er dann ein neues Weib?
Doch bevor ihr mich einem anderen Mann versprecht, müsst ihr gegen mich antreten. Die Schwerter sind in glühender Glut geschliffen, zwei von der Sort hab ich hier. Wer als erstes einen Blutstropfen verliert, wird dem kühnen Recken Stephan als Weib für die nächsten Jahre zur Seite stehn. Die Macht des Schwertes wird Euch schon zeigen. Doch bevor Ihr mir gegenüber tritt, müsst ihr ein Gerstengebräu so dunkel wie die Nacht, mindestens drei halbe Mass, trinken, denn die Schwerter sind schwer und Ihr braucht Kraft. Damit Ihr auch nicht schwindelt, steht ein Werwolf euch zur Seite.
 
Darüber wird wachen
Jola zu Nentershausen

Dietrich:

Fee Jola tu Nentershausen,
 
> "...ein Gerstengebräu, so dunkel wie die Nacht..."
Ha, mith Kwedulf sith ihr im Bunde. Watt fürn Deibelswerk it datt. Wart, wenn ich di Schlacht gewunn, dann sith ihr min und wudd ihr nit friwoallig, so nihm ich euch mith Gewalt.

(Wendet sich wieder nach links und pfeift durch die Finger. Rotkehlchen entfernt sich; ein Rabe kommt zu ihm.)

Dietrich: (zum Raben)

Holde SaBeugine!
 
Wi wahr, een Trick vonn dat Priestgesindl, um di Leuts vonn Cöln tu beruhign, awer wi komm. Vonn Lidenshausen keene Spür mehr, de tapfere Ritter is flüchtn. Ich denk, dej habt sich verschanzn tun in Nentershausen un meen, us tu erwartn.
 
Vor mi, harhar. Wo sin sej, de tapfre Kämpens, harhar.
 
Use Armada vonn di wild Vikingsleut komm guth voran, de Wind un Sturm mith Odins seijen giv us Kraft für de Schlacht am Rhin. Di erst Vorhut is in Lothringn Süd introffe un find nur verlaaten Dorfn un Städtn vor. Di fige Band is flüchtn, habt Bang vor de wild Normannes. Moin wudd wi us traafen mit de tweede Armee vonn Normannes vor Cöln. Un dan overrenn wi di Stadt unn Brandschatz un plünder et, em verpflegn für de Zuch in den Hunsrück.

(Dietrich mit Rotkehlchen ab nach links, Recke Stephan und Fee Jola nach rechts.)

34. Szene.

Leinwand hoch. Feldlager des Nentershausers vor den Mauern von Koblenz.

Ritter, Knappen, Waffenträger. Andreas unter ihnen. Stephan tritt heran, lässt sich über dem weißen Gewand die Rüstung anlegen; Jola folgt, im Feenmantel.
Ein Pfeil prallt von der Außenseite der Stadtmauer ab und fällt zu Stephans Füßen hin. Stephan entrollt den angehängten Schafsleder-Brief.

Stephan: (liest, stirnrunzelnd)

"Oh grausamer Recke zu Nentershausen!
 
Wie konntet ihr es wagen, Fee Jola der güldenen Locken zu berauben, sie in Säcke zu hüllen und im Kolosseum gegen die Heiden kämpfen zu lassen. Der rote Dietrich wird außer sich sein vor Zorn!
 
Ha! Ihr steht in Confluenza am Schängel und freut euch des Sieges!
Habt ihr den Durchgang unterm Rhin noch nicht entdecket, den ich einst graben ließ, um die Belagerung durch die Franzmänner zu vereiteln. Warum sonst ist es König Ludwig niemals gelungen, über Confluenza zu siegen.
 
Ihr Tor! Während ihr am deutschen Ecke gar lustig feiert, werden eben die Schafswehren geschleift.
 
Sabeugine zur Ehrenburg"

Andreas:

Die Hetz der SaBeugine zur Ehrenburg ist ohne End.
Drohet sie doch den Herren und dem Volke des Abendlandes, zu überschütten es mit Blut und Tod. Kennet sie ihre Grenzen nicht. Hätte sie nur Verstand eines Ochsen, sie würde betteln um Vergebung und die Herren der umliegenden Lande nicht weiter erzürnen.
 
Die Hülf, aus dem Lande der Ems bleibet aus.
Selbst größte Scharen der Vikinger können nicht bezwingen die Bande der Rheyn-Ritter, deren Burgen ungezählt entlang des großen Stromes sind.
Auch die große Runde der Ritter von Mosel und Lahn stehen bereit, zu besiegen die Truppen des roten Dietrich, so er kommen möge.
 
Aber Boten berichten er sey von trauriger Gestalt, krummer Rücken, krank und alt. Die Worte groß, die Taten klein, das kann kein rechter Feldherr sein.
Die Zahl der Schiffe, die er sein Eigen nennt, sind nur drei. Er aber nennt die Zahl dreißig, um zu beruhigen seine schwachen Truppen, die schon bald suchen ihr Heyl in der Flucht.
 
Als letzte Warnung wird er sehen, die großen Küchen der Kräutermischer von Leverkusen, deren Pillen und Säfte wohl bekannt. Wage er nicht, dort zu erscheinen, denn nur wenig der Pillen im Rheyn, lässt des Flusses Forelle werden zum Ungetühm, das verschlingt den Kahn mit allen Mann.
 
Kehret um, denn der Groß Inquisitor wird nicht dulden einen Kätzer aus hohem Norden im Germannenreich.

Ein zweiter Pfeil folgt dem ersten, Jola fängt ihn in der Luft.

Fee Jola: (liest)

"Holde Jola zu Nentershausen!
 
Vom Verkaufe ist hier nicht die Red. Es geschieht alles nur zu Eurem Besten.
 
Wie wollt Ihr ohne Mann in diesen schweren Zeiten überleben. Seht doch was Euer Gatte Euch angetan. Er habet Euch nicht verdientet. Der rote Dietrich wird Euch auf Händen tragen.
 
Nimmer trieben mich des Fleisches Gelüste zu solchen Taten. S'ist eine Frage der Ehr! So versuchet er schon, uns edle Frouwen zu entzweien. Dies darf niemals geschehn. Zu Eurer Sicherheit verbrennet auch diesen Brief nach der Lektüre. Meine Taube wird eine Nacht auf Eure Antwort warten.
 
Ich umarme Euch
SaBeugine zur Ehrenburg"

(Die Fee lacht sich kringelig, so dass die Taube, die sich gerade auf Stephans Feldherrnzelt niedergelassen hatte, verschreckt auffliegt. Unterdessen bleibt ein dritter Pfeil in Andreas' Helmzier stecken.)

Andreas: (liest)

"Andreas, freyer Ritter von Leidenhausen, Ihr Tor!
 
> »Selbst größte Scharen der Vikinger können nicht bezwingen die Bande der
> Rheyn-Ritter, deren Burgen ungezählt entlang des großen Stromes sind.«
 
Welche ich zum größten Teil mein eigen nenne!
 
> »Auch die große Runde der Ritter von Mosel und Lahn stehen bereit, zu
> besiegen die Truppen des roten Dietrich, so er kommen möge.«
 
Vergesst die Ritter der Mosel, s'sind alles meine Leut.
 
Hinfort mit Euch, Ihr kämpfet mit einem schartigen und stumpfen Schwert. In welches Loch konntet Ihr Euch vor unserem tapfren Nordmann flüchten.
 
Sabeugine zur Ehrenburg"

(zieht sein Schwert aus der Scheide, betrachtet es kopfschüttelnt, reicht es einem Waffenmeister, der es ebenso kopfschüttelnd mit einem Schafslederlappen blankzureiben beginnt. Dann hält er inne, denn auch dieser Lappen trägt Schriftzeichen.)

Andreas:

Wo kommt das her?
 
An SaBiene. Sonst nimmt Thidrek doch immer die sprechenden Raben.

(Ein der Länge nach halbierter Baumstamm, von einem Katapult geschleudert, schlägt krachend auf die Bühne - alles springt auseinander. Auf der Sägefläche sind Runen und ein Gesicht eingeritzt. Jola tritt heran.)

Jola: (liest)

"Andreas von Lidenshausen,
 
watt für een Luch un Truch vertellt Ihr us heer?
 
Heer habt Ihr een Bild vonn mi, wi ich an Land Lothringn Nord goahn. Sejt so een krank Mann ut?
 
Harhar, Euhre Armee, wo sin sej den, overall verlaatn Dorfn un Stadtn, habt Ihr Euch veschanzn dät am Rhin? Während Ihr größe Redn schwingn dat over min schwaake Truppn, stoahn tendusend Mann vor Cölns Torn, da wi us mit meener tweeden Armee vonn de Ruhr verient habt. Un watt ich vermut, sit Ihr de wahr Hexnmiester, da Ihr mith Pilln un Saft droht. Ihr verkünnt min Kampesgeschick, da ich üs verstoand, jejden tu täjschen, wenn Ihr gleuw, Ihr könnt mi verschrickn.
 
Watt de Großinquisitor angoaht, de falsch Fifftiger wudd, hi is it, watt de Priestgesindl in use Nordlande schickt habt. Awer dafür soll hej büßn. Dri Bots, harhar, wer vertellt Euch vonn drißig, dat sin fifunvertig Boten, awer ich verrat Euch düch min Tricks nit gegn Euch. Ihr werdn it boald tu Speern kriejchen, watt it hieß, un Normanne tu belejdign.
 
Grade mutt ich lejsn, datt di Ritters vonn de Burgn treu Vasalln vonn SaBeugine sin.
Watt fürn falsch Speel triew Ihr ejentlich?
Gleuw Ihr, Ihr könnt euhre müd Truppn nech mobil maaken gen min, harhar.
Gleuw Ihr, ich wudd jetz wiechn vor Euch, harhar.
Awer min Geduld habt ihn End, gerad wegn deeser Luch un Truch weed ich noch wütn gemach. Ers wudd ich die gegn vonn Cöln verschon, awer nun werd sej den Erdboadn glich gemach durch Eure Schuld, den een wütn Vikingsleut kann niemand uffhaltn.
 
Dietrich der Rote vom Nord des Emslandes"

Andreas: (liest den Lederlappen vor)

"Veerte SaBeugine zu Ehrenburg un holde Doña Brigida,
 
gleuw nit den Luch vün Lidenshüsn. Ers süll ich gefangn noahm word, dan bin ich een alt un krankn Mann mit dri Boot uff nen Wech nach Cöln, watt süll denn stimmn?
 
Oalso:
Use truppn häbt seek verient mit meene tweede Armee vünn de ruhr.
Tenduisend mann stoahn vür Cöln, erste Vikingslüt drängn in de stadt een un find een grotentils verlaaten vür. Keen Lidenshüsn wejt un brejt. Nür een paar olde Wiewer un Kinnekes in Cöln. Watt süll dat? Watt vertell us de Lidenshüsn da?
Hmm, ich bin vürsichtg, drui dem Lidenshüsn nit.
Jetz giv it een Problem, wi mutt uff use Nachschüb abwoartn, da de Stadt usgerühmt is. Ich hüff vünn Stephanus vünn Seelnburg, datt hi bald intriff mit siner Armee. Geminsam goahn wi dan gejgn dün Reckn vünn Nentershüsn vür un ich hol mi de Fee.
 
Dietrich der Rote vom Nord des Emslandes"

(Fee und Ritter beraten sich tuschelnd über ihre weitere Strategie.)

35. Szene.

Das Scheinwerferlicht verengt sich zu einem gewissen Tunnelblick.

Die vorigen. Ein edler Rappe, in gemächlichem Trab. Der Großinquisitor schwingt sich elegant aus dem Sattel.

Don Jochen: (entrollt ein Pamphletum)

Hallo Ihr holden Ritter und Burgfrolleins,
 
in einer gar misslichen Situation ist die heilige Inquisiton des Starhoppings. Innerhalb des eigenen Herrschaftssitzes zu Kasseburg und Toledobüttel ist meine Macht gar unbeschränkt. Doch ach, ermangelt es dem armen Großinquisitor in den Tiefen der Provinz gar jeglicher weltlicher Macht, die wahre Lehre mit exekutiver Gewalt durchzusetzen. Nur mit Unterstützung durch lokale Informanten, örtlichen Landadel und provinzielle Popen vermag die Inquisition die mühsame Beweisfindung, das peinliche Verhör und die unvermeidliche Strafe durchzusetzen. Zu augenfällig ist sonst, dass ein pathetisches Fuchteln mit der heiligen Schrift vom einfachen Pöbel ignoriert werden könnte.
 
Und gerade auf den Ländereien des Fürsten von Gerolstein sehe ich um den Einfluß der heiligen Inquisition schwarz. War nicht der Fürst bereits selber mit dem Teufel im Bunde? Haben nicht hier die Mächte des Goto bereits Ihr Unheil vollbringen können? Nur in Gemeinden, in denen die Ehrfurcht vor dem Karkoschka noch die Positionsmotoren, digitalen Teilkreise und sternzeitgläubigen Astrozeiger im Schach zu halten vermag, kann die Inqusition ihrer bedeutenden Mission mit Erfolg nachgehen. Schlimmer noch ist die Situation in Essen - welches mit Sodom und Gomorrha in einem Atemzuge zu nennen ist. Gar übermächtig ist dort die Verlockung des Teufels auf Ausstellungständen vertreten.
 
Gar schwer sind die Anschuldigungen der Giftmischerei und der Hexerei gegen SaBeugine von Ehrenburg. Doch welch unerwarteten Verlauf wird der Prozess nehmen, wenn sich gerade diese Disziplinen im gesamten Raum von Hunsrück und Eifel breiten Rückhalts der Bevölkerung erfreuen, gar aus Hispanien derartig verderbte Kräfte als königliche Gäste empfangen werden? Die Rufe der Inqusition werden ungehört in den Wäldern verhallen.
 
Und es dünkt mir das weltliches Streben an der Wurzel dieses Konfliktes liegt. Ist es nicht der Wunsch nach der Herrschaft über die werschaf-sichere Feste von Diez und der fortgeschrittene Öffnungswahn, die unsere Schwester Sabine zu solch Toben veranlaßt haben? Nein, die ersten 5 Millimeter waren nur der Auslöser - inzwischen werden 10 Zoll in schwarzem Gewande ohne Scheu in Ehrenburg installiert, um den ungebremsten Geltungsanspruch zu untermauern. Selbst vor der Plünderung unschuldiger Labormikroskope wird nicht mehr zurückgeschreckt.
 
Einen bedenklichen Pfad hat der Rote Dietrich eingeschlagen. Anstatt sich seiner Bescheidenheit zu rühmen und die Sonne wie gewohnt mit 3 Zoll zu observieren, führt er kühne Reden, die nur den Schluss zulassen, dass die fokussierten Radiostrahlen von Effelsberg seinen Verstand frittiert haben!
 
Also ich rate Euch dringend: Poliert Eure Teleskope, studiert den Karkoschka, kollimiert Eure Sucher! Nur wenn ich Euch in albireotischer Harmonie um den Würstchengrill vereint vorfinde, seid Ihr vor dem Zorn des Großinquisitors sicher. Denn nicht eher werde ich sonst ruhen, bis ich auch im heidnischen Essen mächtige Verbündete und Handlanger gewonnen habe, um der Hexerei ein Ende zu bereiten.
 
"Toledobüttel, A.D. MMII
Don Jochen, Großinquisitor"

(Verwandlung - kurzer Vorhang)

36. Szene.

[Das musste ja kommen. Die dreizehnte war wohl nicht genug.]

Durham Castle. 'Nuff said.

John, tief in den Armlehnstuhl gesunken. George rüttelt ihn sanft an der Schulter. Links vorn steht der Schreibtisch eines BBC-Nachrichtensprechers. Der Mann dahinter sieht ein wenig aus wie John Cleese.

George: (sehr leise, doch nicht ohne Dringlichkeit)

Mylord!!! What did you do? Everything is in outrage!!!

John: (yawning his head off, and with a very un-English accent)

It's fu**ing uninteresting for me. Nothing against the Vikings and the Scots.

(reaches for the dregs in what was once a pint of ale, and is now extremely stale even as ales go)

George:

But - the Vikings led by the Red Dietrich are sending their dragon boats to attack you.

John: (choking and spitting out the ale)

WHAT?!?!

George:

Yes, and they would send you to Scotland into exile!

John:

Panic! Panic! Panic!
 
Please translate!

(George is noiselessly and efficiently taking notes and handing them to the BBC speaker, who reads them aloud wearing the straightest of straight poker faces.)

John:

Er, er, eeeer,

(clears his throat a couple of times)

John:

Dear Red Dietrich! Dear Jola zu Nentershausen! Dear Grünkühner Recke! Dear SaBeugine! Dear... so many! Too many!!! Errr, deardear...

(long sigh)

Dear Brigida!
 
As I heard there is big turmoil with war and fire and death in whole Europe.

(Wir dürfen annehmen, dass was George zu Papier bringt, sich durch ebenso makellose Grammatik wie makellose Handschrift und makellose Wortwahl auszeichnet.)

Nachrichtensprecher: (mit britischem Akzent)

Mir ist zu Ohren gekommen, dass es in Europa einige unschöne Streitigkeiten gibt.

John:

I find that absolutely fu**ing and who ever wants to attack me is a fu**ing a**hole! I will kill him and all his people, will cut them into pieces, fry it and give it to the cows.

(grinning like a maniac)

And after that I will do this again ...

Nachrichtensprecher:

Wer immer es für sinnvoll erachtet, den Konflikt nach England zu tragen, sollte sich über mögliche sanktionierende Maßnahmen im Klaren sein.

(Gradually, John's countenance of stern determination gives way to a certain softening. He lowers his head in acknowledgement of his guilt.)

John:

Valentina! Brigida! I am soooooooooo sorry! I will preach 114 poems in the Cathedral and if you want I will eat a pitch lap if you just forgive me...

Nachrichtensprecher:

Valentina! Brigida! Mögliche Missverständnisse sind zu entschuldigen. Wenn ich etwas tun kann, um diese Scharte auszuwetzen, lasst es mich wissen.

John: (raising his voice once more)

But I will need your help. The fu**ing b*st*rds of Normans and Vikings with their p*ssed off rusty knights in their dragonboats threaten to rush to my castle, killing everyone, robbing all costly glasses and putting Karbo 80 on to my pitch lap!!! We must organize something to make them drowning painfully before their f*cking boats pass our coast!!!

Nachrichtensprecher:

Könntet Ihr mir einen Gefallen tun? Die rauhen Normannen und Vikinger in ihren zugegebenermaßen nicht aktuellem technischem Standard entsprechenden Kampfmonturen drohen, in ihren Drachenbooten an Land zu kommen und mich zu ärgern. Mensch, sind die doof. Wir müssen etwas unternehmen, ich habe da keinen Bock drauf!

John:

George, please give me this paper.

(A wiff of heated wax. John is sealing the letter)

John: (blowing his thumb)

Aaaaaaarh! I hate this stuff.
And now take a budgie and send it off !

(George schiebt den sorgfältig aufgerollten Brief in die Metallhülse am rechten Fuße eines Albatros, der sich in die Seeluft schwingt)

(Die Leinwand fällt.)

37. Szene.

Vor der Leinwand.

Andreas, dann SaBiene, später Walentina.

Andreas:

Denkt euch, ich habe den roten Dietrich gesehen,
er kam aus dem Walde und konnte kaum stehen.
 
Auf einen Kampf braucht ihr nicht zu hoffen,
er hat all seine Mannen unter den Tisch gesoffen.

(zu sich)

(Bei Ehrenhändel muss ich immer an Hähnchen denken :-)))
...oder an nen "halven Hahn" (für Nichtkölner: ein Roggenbrötchen mit Käse).

SaBiene: (spricht im Gehen in ihre Kristallkugel, die sie beidhändig vor sich trägt. Die Kristallkugel hat jetzt einen Binokularaufsatz)

Ehrenwerter roter Dietrich!
 
Mich deucht, wir können den Großinquisitor außer Acht lassen. Der Wolf hat seine Zähne verloren. Er selbst scheint Teufelskünste auszuüben. So zeigte er kürzlich vortreffliche Bilder vom Firmament, wo doch schon seit Wochen sich die Sonn und auch der Mond verhüllt. Auch gebet Prinz John klein bei und winselt schon vor den Füßen Doña Brigidas am Hofe der Villa Albireo. Wir können also von Nentershausen aus sofort zum König ziehen.
 
Untertänigst
SaBeugine zur Ehrenburg

(zu Andreas, schnippisch)

...die sich mit Genuss vorstellt, wie Jola den roten Dietrich über die Schulter wirft.

(Großfürstin Walentina hickups T. kommt deutlich schwankend auf ihren drei Beinen hereingetrippelt.)

Walentina:

Libber Prins John!
 
Seien Sie chluckauf gans unbesorgt. Gebben Sie mir einen aus hicks, bessser noch swei und ich will vergessen, dass Sie mich zu recht nannten ein Chlampe! Wer ja chrecklich, ups wenn ich heissen wirde "Walentina, die Grrrosse". Nein, Teleskopp-Gechichte soll sich speter erinnern an "Walentina hickups T."! Das bin ich meinen Vorrfarren und Veterchen Wolfi chuldig!
 
Auch Doña Brigida ist bestechlich! Sie chlick wirde vergessen heikles Thema des Affronts, wenn Sie sie nemmen mit su Sternwarte von hicksups Edinburg in Chottland nechstes Mal sie kommt nach Britannien! Nur soooo, sie gewinnen irre huldvolle Gunst surick!
 
Libber Dietrich, der Rote!
 
In Mitterchen Russland wir bereits benannten einen Plats su Irren Ehren!
 
Grosse Tatten habben Sie in Germanien ups vollbrracht, doch kennten Sie uns nicht bitte auch befreien von Sterrnen in der Nacht?
harharhar.
 
Wir habben Prins John versiehen und ich mich gans chrecklich nun freie auf Versehnungsgelagge!
 
Ville libbe Grisse aus Hispanien!

38. Szene.

Die vorigen.
Der Recke und Fee Jola mit Gefolge sind von rechts hereingetreten, der Wikinger von links, gefolgt von Meister Berthold.
Nun folgt ihnen eine Gestalt in einer Art Landsknechtskostüm, jedoch mit Pelzborten besetzt und einem großen goldenen Ring am Finger, der ihn als Boten des Kaisers zu Aachen ausweist. Er zieht graziös seinen riesigen Hut, um SaBiene und der Fee wie auch der Grossfirstin seine Reverenz zu erweisen; die Herren müssen sich mit einer Primoballerino-Geste von ihm begnügen.

Winnifried: (während er spricht, kommen weitere herein: Doña Brigida mit Karoline, der Großinquisitor, der Buschdoktor, Herbertus, Tom de S.I.R.E., Prince John, Spechtus de Rohrus,...)

Bürger, Freunde, Mitstreiter,
 
ich sage, soll die Welt doch erkundet werden wie sie ist und nicht wie sie uns glauben gemacht wird.
Ist es nicht so, daß die Inquisition verdeckt, mit ihrer bigotten Art, daß sie selber dem käuflichen und weltlichen allzusehr zugeneigt, nur darauf spechtet, daß ja kein Alberio die Koordinaten misst oder gar den Goto nutzt, um gleichermaßen Erkenntnisse zu sammeln, wie deroselbst die Inquisition und ihre Büttel. Selbst das farbreine Bild eines APOs wird verdammt, nur damit nicht Neid aufkomme oder gar Erkenntnis unter den Menschen.
 
Ich aber sage, folgende Thesen sind zu Aachen an die Dom-Pforte genagelt:

  1. Der Albireo ist frei in der Wahl seiner Mittel
  2. Der Albireo erhält kein Seelenheil durch Politur des eigenen Spiegels
  3. Der Albireo erfahre aus eigener Ansicht und nicht durch Hörensagen, wie die Sterne sind
  4. Der Albireo hat die Pflicht die Nase aus der Stube zu stecken und nicht nur an den Lippen der Inquisition zu hängen
  5. Der Albireo mache sich frei von der Mail-Flut und nutze den eignen Verstand
  6. Es gibt nur ein Weltall und nicht verschiedene, auch wenn mit unterschiedlichem Instrument erforscht
  7. Der Albireo sieht gerne doppelt
  8. Es ist nicht Schande noch Schmach, wenn ein Albireo durch einen Apo äugelt
  9. GOTO und Encoder sind kein Teufelswerk, es ist keine Sünde unter euch, wenn solches Gerät zum Wohle der Laune genutzt.
  10. Auch Apostel sind Albireos, so sie der eigenen Laune folgen.

Dies sollen die Thesen sein, zur Kenntnis aller Albireos und wider die Inquisition!
 
Und nun geht hinaus und staunt (auch wenn dort inquisitorische Dunkelwolken schweben)!

39. Szene.

Doña Brigida umarmt abwechselnd Dietrich und John. Ein Versuch, auch Walentina diese Behandlung angedeihen zu lassen, scheitert beinahe daran, dass ihrer Beine selbst zu fünft nicht ganz ausreichen, die beiden aufrecht zu halten.

Brigida:

Werter Dietrich der Rote!
 
Der Walentina-Orden nahm mich hicks auf in seinem hihihispanischen Kloster zu Villanueva de tralala Concepción und gewährte mir ups SchuSchutz. Schweigen ist hier hier hier oberstes schluckauf Gebot. Und schweiupsgend feiern wir ...schluckauf und Mahlzeit... Gelage in Saus uuuuuupsnd Braus.
 
Ihr seied ein wackerer Recke, der die Schönste aller Feen heidiedeldu wird sein eigen nennen können! Nehmet Euch an der lieblichen ups Jola von Nentershausen, denn Ihr Schicksal in Euren Händen liegt!
 
Briiiiigigigidada von lal Hihispanien...

40. und finale Szene.

[Endlich. (Anm.d.Krit.)]

Die vorigen. Walentinas Zwillingsbruder Vincentus van Gogh, im Malerkittel und mit Baskenmütze schief vom Sucher hängend.
Während er sein Werk beschreibt, erscheinen dessen Teile nach und nach in Überblendtechnik auf der Leinwand.

Vincentus:

Edle Ritter, Burgfräulein, Feen Hexen und sonstige ehrenwerte Gestalten!
 
Ich, Vincentus van Gogh, unterlag heute einer gar großen Vision.
Beim Malen eines meiner größten Gemälde sah ich vor mir das große Treffen der astronomischen Teleskope und ihres Bedienpersonals bei der großen Schlacht des ATT. Viele Banner wehen im Wind, gar hoch zu Ross stürmen die Ritter gegeneinander, Fußvolk ist auch zu sehen in zerfetztem Gewande, dort! eine Hexe steht auf dem Scheiterhaufen und ein dunkler Gesell hebt gerade die Fackel, um den Scheiterhaufen anzuzünden, lehnt nicht gar eine Wodkaflasche am Holz???
 
Eine andere gar hexenähnliche Gestalt mit blonden langen Haar tanzt um den Scheiterhaufen herum! Jubelt sie, oder ist sie es Wahnsinns nah ob des Schicksals ihrer Gefährtin?
 
Gar verbissen sind die Gesichter der Recken, die da wutentbrannt aufeinander zustürmen, verzweifelt wirbelt eine Fee mit dem Zauberstab, um das Unheil aufzuhalten, aber oh weh!! Blut wird fliessen, all die wunderschönen Sternenbanner werden im Schmutze enden, bis auf das Banner des Siegers!!
 
Da!! Es braust auf pechschwarzem Hengst ein hoher Herr mit einem gewichtigem Buche heran, die Axt des Großinquistors schwingend!! Mutig stellt er sich zwischen die rasenden Parteien, aber oh weh, der Scheiterhaufen hat bereits Feuer gefangen, wehklagend stehen drei ...was?? ...nein... vier Teleskope daneben!!
 
Ein kleines an der Hand eines schlanken weißen, ein dickes blaues und ein schwankendes blaues, kaum werden sie des Großinqisitors gewahr, rennen sie zu ihm hin und werfen sich ihm zu Füßen... ein kurzer Disput... der Großinquisitor reißt sein Ross herum und wirbelt mit seiner Axt durch die Luft, zerschneidet die Fesseln der Hexe, galoppiert an ihr vorbei, schwingt sie leichthändig auf sein Ross und entreißt sie dem Flammentod!
 
Ein Gemurmel ist von den Heeren zu hören, das Schwertergerassel erstirbt, alle schauen gebannt, was sich da vor ihren Augen abspielt: Da!!! ein drittes Heer kommt angeeilt, es sind ...große und kleine, dicke und dünne Teleskope, stolz kommen die großen dahergeschritten, auf dünnen Beinchen mit zittrigen Montierungen die kleinen, sie alle rennen, eilen, alle tragen sie EIN Banner, es ist die Flagge der Albireos!! Der Großinquisitor wendet sich ihnen zu, ein Stimmengewirr ist zu hören, es folgt eine Pause mit lähmender Stille... dann erschallt die Stimme des Großinquisitors über den Platz:
 
"Alle Teleskope haben sich vereinigt um gemeinsam für den Frieden zu kämpfen, sie werden ihrem Bedienpersonal den Dienst verweigern und in die Fremde ziehen, wenn diese blutige Schlacht des Bedienpersonals ausgetragen wird! Hexen dürfen nicht mehr verbannt werden, Hexen dürfen keine Bannsprüche mehr aussprechen, sondern nur noch für den Albireofrieden ihre Hexenkunst einsetzen, kein Ritter und Recke darf mehr das Schwert erheben gegeneinander, keine Intrigen mehr geplant werden, sondern FRIEDE SEI IM ALBIREOLANDE!!"
 
Die Banner der Streitenden sinken nach unten, betroffen blicken sie sich an, Tränen laufen den Teleskopen über die Objektive, zitternd vor Hoffen und Bangen sehen sie auf die wogenden Heere: Da!! Ein Jubelschrei der Ritter!!! Klirrend fallen die Waffen zu Boden, Feen und Hexen umarmen sich, Zauberstäbe zerbrechen, die Teleskope brechen in Siegesgeschrei aus und senden ihre blitzenden Strahlen gen Himmel.....

(In dem Maße, wie die Teile des Kollosalgemäldes auf der Leinwand erschienen sind, wurden die auf den Bühnenvordergrund gerichteten Scheinwerfer abgeblendet. Nun stehen alle Darsteller im Dunklen. Das Gemälde verblasst und eine Planetariumsprojektion mit Filmeinblendung tritt an seine Stelle. Leise mystische Musik.)

Vincentus:

Es naht der Abend, ein großes Feuer lodert in den pechschwarzen sternenübersäten Himmel, diesmal steht keine Hexe am Scheiterhaufen, sondern es brennen die Kriegsgeräte und Rüstungen, Kriegsbanner, Hexenbesen und Hüte, eine große Schar festlich gekleideter Menschen zusammen mit aufgeputzten Teleskopen hält den Friedensschmaus, es sind die Würste des Nobertus Muckus, der freudestrahlend eifrig Wurst um Wurst grillt, der Wein fliesst in Strömen, das Albireobanner weht stolz über der Szene, und....
 
darunter habe ich signiert: Der große Frieden zu ATT, anno 2002, Vincentus van Gogh, Künstler und Sternenvisionär der A.S.E.T.

(Die Musik wird kräftiger, die Sterne glänzen heller. Die Feuer-Filmeinblendung zoomt zurück: auf die S.I.R.E.-Burg und -Sternwarte, auf die Eifelhügel, auf Mittel- und Westeuropa, den Erdball, das Sonnensystem, unseren Spiralarm, unsere Milchstraße, unseren lokalen Galaxienhaufen...)
 
(Sehr langsam schließt sich der Vorhang.)
 

(Dram.Pers.|Inh.|1.Aufz.|2.Aufz.|3.Aufz.|4.Aufz.|5.Aufz.)

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